Sich entfalten dürfen

Es gibt ja den bekannten Spruch: „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!“

Leider ist Geduld von Natur her nicht meine größte Stärke. Ich weiß auch, dass Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht, sondern man es so eher abreist und zerstört. Dennoch tendiere ich dazu alles in meiner Macht stehende an Unterstützung anzubieten, damit das Gras auch gut wachsen kann. Dinge sich entwickeln zu lassen, fällt mir schwerer. Wenn ich sehe, dass das Gras meiner Meinung nach etwas braucht, werde ich aktiv. Vielleicht hätte ich es auch zum Beispiel heute nicht gießen müssen, da es morgen früh sowieso geregnet hätte und alles hätte sich von alleine geregelt. Nun ja….

Genauer betrachtet zeigt meine Ungeduld wohl einen Mangel an Vertrauen – meine Entwicklungsaufgabe. Vertrauen, dass sich manches einfach auch von ganz alleine zum Besten entwickeln wird. Vertrauen, dass ich und auch andere Menschen alles in sich tragen, um sich ihnen entsprechend zu entfalten.

Mein Kopf ist davon fest überzeugt! Im Alltag ertappe ich mich dann manchmal und merke, dass mein Herz hier wohl etwas Unterstützung bedarf.

Vor einigen Tagen bin ich auf ein Gedicht von Rainer Maria Rilke gestoßen, dass mein Herz ermutigt hat hin zu geduldigem Vertrauen. Gerne wollen wir es heute mit euch teilen und vielleicht ist es auch für euch eine Ermutigung euch, euren Kindern und der Entwicklung – letztlich dem Leben – zu vertrauen:

Über die Geduld

Man muss den Dingen die eigene,

stille Entwicklung lassen, die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt

oder beschleunigt werden kann,

alles ist austragen – und dann gebären…

Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt

und getrost in den Stürmen des Frühlings steht, ohne Angst,

das dahinter kein Sommer kommen könnte.

Er kommt doch! Aber er kommt nur zu den Geduldigen,

die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,

so sorglos, still und weit…

Man muss Geduld haben

mit dem Ungelösten im Herzen, und versuchen

die Fragen selber lieb zu haben,

wie verschlossene Stuben, und wie Bücher,

die in einer fremden Sprache geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.

Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,

ohne es zu merken, eines fremden Tages

in die Antworten hinein.

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