Fairantwortung – Plastik

Wir sind Europameister …

…im Verpackungsmüll produzieren.

Dieser Satz hat mich sehr überrascht. Gleichzeitig hat er mich herausgefordert, mich mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Ist Plastik wirklich so ein großes Problem bei uns? Wir haben doch den „grünen Punkt“ und ich dachte immer, dass fast jeder Plastikmüll, der in Deutschland entsteht, recycelt werden kann. Ist das etwa nicht so?

Diese Fragen haben mich dazu motiviert, diesem Thema etwas mehr auf den Grund zu gehen. Dazu habe ich zuerst mal ein paar Informationen gesammelt, an denen wir euch gerne teilhaben lassen wollen. Danach wollen wir noch einige Möglichkeiten aufzeigen wie wir einen etwas plastikfreieren Weg gehen können. Natürlich gibt es auf beiden Seiten, sowohl bei den Zahlen und Daten als auch bei den plastikvermeidenden Möglichkeiten noch wesentlich mehr Alternativen und Hintergründe. Daher ist  dieser Artikel nur ein ganz kleiner Einblick in das Thema.

Nun zu dem aktuellen Stand bezüglich unseres Umgangs mit Plastiks…

Die Recyclingquote liegt in Deutschland offiziell bei 38%. Bei dieser Quote wird allerdings alles mitgezählt was in einer Recyclinganlage ankommt. In der Anlage selbst wird jedoch nochmal vieles aussortiert, was in der Quote nicht mit berücksichtigt wird. Wirklich recycelt und wieder eingesetzt werden dann letztlich nur ca. 17%. [1][2]

Schaut man sich „den Weg“ des Plastikmülls an, stößt man darauf, dass der Müll in einer Anlage durch Luft und Rütteln sortiert wird. Was nicht recycelt werden kann, wird zu großen Teilen verbrannt. Das klingt zunächst nicht schlecht, leider bleibt dort aber eine schädliche Schlacke zurück, die im Moment in still gelegten Bergwerken gelagert wird. Dies stellt langfristig aber keine wirkliche Lösung dar, da es zum einen schädlich für die Umwelt und das Grundwasser ist und zum anderen eine endliche Lagermöglichkeit darstellt, da auch die Bergwerke irgendwann voll sind.

Nun aber noch mal zurück zum Recyceln an sich: Unser Müll ist oft zu stark verschmutzt mit Lebensmittelrückständen und anderem Schmutz. Oder er ist überhaupt nicht recycelbar, weil es sich zum Beispiel um einen so genannten Multilayer-Kunststoff handelt. Diese bestehen aus mehreren untrennbar verschmolzenen Kunststoffen. Allerdings lassen sich nur sortenreine Kunststoffe gut recyceln. Ein generelles Problem, wenn man weiß, dass es chemisch gesehen über 100.000 unterschiedliche Kunststoff-Arten gibt.

Am Ende werden aus den 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen nur 0,9 Millionen Tonnen Rezyklat – also recyceltes Plastik. Dies entspricht eben den genannten rund 17 Prozent. Und davon hat nur ein kleiner Teil die Qualität von neuem Plastik. Besonders Verpackungen, die in Haushalten anfallen, lassen sich meistens nur schwer recyceln. Daraus entstehen oft nur solch minderwertige neue Kunststoffe, aus denen allenfalls Füße für Straßenschilder oder ähnliches hergestellt werden können – ein eher kleines Marktsegment. All das heißt nicht, dass man als Verbraucher seinen Müll  nicht mehr trennen sollte, denn schließlich ist auch wenig recyceltes Plastik besser als gar keine Wiederverwertung. Dennoch bleibt, dass der sicherste Ausweg aus der Plastikabfallflut eben im Grunde doch der ist bzw. bleibt: möglichst auf Plastik zu verzichten.  [3]

Ein Teil unseres Plastikmülls geht überdies ins Ausland. Er gilt so offiziell als recycelt. Hierbei handelt es sich ungefähr um ein Drittel unseres Mülls. Alles Weitere wird nicht mehr näher verfolgt. Sicherlich wird davon tatsächlich einiges recycelt, aber es gibt auch immer wieder Funde von deutschem Müll auf wilden, ausländischen Müllkippen – wie zuletzt in Malaysia/Indonesien.

Die geringen Lohnkosten sind einer der Gründe, warum westlicher Abfall gerne ins Ausland transportiert wird. Das was weggeschickt wird, kommt in vielen Fällen in Südostasien an, wie zum Beispiel in Indonesien. In einem  Land was weltweit als 2. größter Verschmutzer der Meere gilt[4]. Allein aus Deutschland müssten es im letzten Jahr mehrere tausend Tonnen Müll gewesen sein, die dort angekommen sind.[5] Und wir sind nicht die einzigen, die ihren Müll dorthin verschiffen. So kommt auch Müll aus vielen anderen Ländern wie unter anderem aus Amerika dort an.

Bis zum Jahr 2018 hat China den meisten Müll „übernommen“. Dann wurden die dortigen Regelungen zum Müllaufkauf verschärft und seitdem wird der meiste Müll wie gesagt nach Südostasien exportiert. Beschränkt ein Land seine Einfuhrbestimmungen, geht der Müll in ein anderes Land, in dem die Einfuhrbestimmungen nicht so streng sind. Viel landet auch auf Java und besonders in Bangun – dort leben die Menschen von dem Geschäft mit dem Müll[6]. Er geht an Firmen aber auch an sehr viele Privatpersonen, die versuchen sich Ihren Lebensunterhalt zu verdienen, indem sie den Müll sortieren und den Teil, der recycelbar ist, verkaufen. Der Rest wird verbrannt oder ins Meer geworfen. Viele lagern den Müll auch in Bergen vor ihren Häusern, der dann bei Regenfällen nicht selten ins Meer gespült wird.   

Ich muss sagen, dass ich wirklich sehr schockiert war, als ich diese Dokumentationen gesehen habe, die das eben Beschriebene, darstellen. Und dabei handelt es sich ja nur um einen Teil unseres weltweiten Plastikproblems. Unbeachtet bleibt hier noch das ganze Thema Microplastik, welchen wir immer wieder beim Waschen synthetischer Wäsche „produzieren“. Wenn man tiefer in dieses komplexe Thema einsteigt, wird schnell deutlich, dass Plastik das Potential hat, unserem Planeten weitreichenden Schaden zuzufügen.

Leider sind solch niederschmetternde Informationen relevant, um unser „Problembewusstsein“ zu schärfen. Würden wir vielleicht täglich an einem Strand entlangspazieren und mit Müll oder den direkten Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt konfrontiert werden, sähe dies wohlmöglich anders aus. Da die meisten von uns aber vermutlich noch nicht direkt mit den Folgen unseres momentanen Konsums konfrontiert wurden, haben wir diese Informationen zusammengetragen. Aber wir wollen natürlich nicht dabei stehen bleiben. Denn – und darauf kommt es an – was ist der Weg heraus? Können wir wirklich plastikfrei oder zumindest plastikfreier leben? Wie steht es um die bereits angerichteten Schäden?

Wir können sicher nicht alles an Umweltverschmutzung und -schäden wiedergutmachen, doch ich bin der festen Überzeugung, wenn jeder Mensch  jeden Tag versuchen würde ein bisschen plastikfreier zu leben, wäre dies ein großer Schritt. Natürlich kann man auch Organisationen unterstützen die z.B. die Meere reinigen, oder sich für plastikfreie Verpackungen einsetzen etc..

Außerdem gibt es hier ein paar Ideen, die unseren Alltag etwas plastikfreier machen können. Vieles davon ist bestimmt nicht neu, aber vielleicht hilft es ja, es sich mal wieder bewusst zu machen:

  • Kein gemischtes Plastik kaufen (nicht gefärbt oder bedruckt)(Hier findet ihr eine Übersicht welches Plastik recycelt werden kann, wie es zusammengesetzt ist und was die Einzelnen Symbole auf den Verpackungen bedeuten)
  • Banderolen (Hüllen um Joghurtbecher meist aus Pappe oder anderem dünneren Kunststoff) von Plastikverpackungen abmachen
  • Aludeckel von Kunststoffbechern immer komplett entfernen (sonst kann es in der Sortieranlage nicht sortiert werden und wird als nicht recycelbar eingestuft)
  • Bei der Frischetheke eine eigene Dose mitbringen und sich das Gewünschte dort abfüllen lassen
  • Alufolie/Frischhaltefolie durch Wachstücher ersetzen
  • Bei Kleidung auf geringen/keinen Kunstfaseranteil achten (Polyester, oder bei dehnbaren Stoffen ist es Polyamid und Elastan)
  • Spüllappen / Spülschwamm aus Baumwolle oder nachhaltigen Materialien kaufen
  • Alte Kunststoffartikel nicht wegwerfen und neue Glas/Metalldinge kaufen – lieber altes benutzen bis es nicht mehr zu gebrauchen ist und dann richtig entsorgen (in die gelbe Tonne damit es hoffentlich recycelt wird)
  • Auf Müllbeutel verzichten (lieber mal den Eimer ab und zu auswaschen)
  • In Unverpacktläden einkaufen
  • Seife als Stück oder als plastikfreie Alternative kaufen
  • Beim Einkaufen ein Einkaufsnetz für loses Obst und Gemüse benutzen
  • Rasierhobel statt Einwegrasierer
  • Menstruationstasse, Stoffbinden, Menstruationsunterhose statt Tampons und Binden
  • Haarseife statt Shampoo
  • Wiederverwendbare Abschminkpads (bald auch bei uns im Shop erhältlich)
  • Stoffwindel statt Einwegwindel
  • …..

Die Liste ließe sich noch lange weiterführen und es soll ja auch nur eine erste Anregung sein.

Der Weg in eine plastikfreiere Welt – dazu fällt mir ein afrikanisches Sprichwort ein, was die Sache finde ich schön beschreibt:

Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern. “

Um in dieser Richtung weiter einen kleinen Beitrag zu leisten, haben wir dieses Anliegen mit Julias Leidenschaft verbunden und den neuen Bereich „Shop“ auf unserem Blog integriert. Dort gibt es unter anderem ein paar Produkte, die Plastik im Alltag ersetzen können. Wie zum Beispiel: Wachstücher, Spülschwämme und bald noch einiges mehr. Schaut doch gerne mal vorbei.


[1] https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kurzerklaert/kurzerklaert-recycling-101.html

[2] https://www.zdf.de/funk/ykollektiv-1059/funk-recycling-mythen-und-illegale-plastik-exporte-was-ist-dran-100.html

[3] https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kurzerklaert/kurzerklaert-recycling-101.html

[4] https://fair-economics.de/indonesien-versinkt-im-plastikmuell/

[5] https://www.dw.com/de/wieso-deutscher-m%C3%BCll-eben-doch-im-meer-landet/a-47198039

[6] https://www.dw.com/de/indonesien-das-dorf-der-m%C3%BCllsortierer/g-50048562


 

 

 

%d Bloggern gefällt das: