Ein Traum – eine persönliche Standortbestimmung

Das neue Jahr ist bereits 9 Tage alt und auch wenn sich die ersten Wochen schon abzeichnen, bleibt für uns die Frage offen: Was erwartet uns in diesem Jahr? Was wird uns dieses Jahr bringen? Und welche Antworten werden wir darauf finden, was es uns vor die Füße legt und vor welche Fragen es uns stellt?

Vor einigen Tagen hatte ich einen Traum, der mir noch am Morgen ganz konkret in Erinnerung war. In diesem Traum hat sich folgendes ereignet:

Gemeinsam mit einer Freundin war ich in der Stadt unterwegs. Wir schlenderten über eine Art Markt. Plötzlich kamen wir an einer Frau vorbei, deren Kind sich auf den Boden geworfen hatte. Die Frau schimpfte vor sich hin, welches Elend sie doch mit diesem Kind tagein und tagaus durchstehen müsse. Nun wolle es wieder nicht nach Hause und würde sich so verhalten. Das kleine Mädchen war nicht mehr ansprechbar. Es hatte sich irgendwie in seine eigene Welt zurückgezogen und spielte dort mit imaginären Figuren – keine Reaktion auf die Forderungen seiner Mutter. Ich konnte mich kaum losreißen von diesem Anblick, doch meine Freundin nahm sanft meinen Arm und zog mich weiter. Diese Szene ging mir noch nach und ich fragte mich, was wohl dieses Mädchen zu dem Entschluss bewogen hatte, dass dieses Verhalten „die Beste“ seiner Möglichkeiten zu sein schien. Meine Freundin verwickelte mich in ein Gespräch und ehe ich mich versah, kamen wir in einen menschengefüllten Raum. Wir setzten uns und ich war etwas verwirrt, wo wir hier gelandet waren. Es schien eine Art Vorlesung an einer Hochschule zu sein. Vorne stand ein Mann, der irgendetwas erklärte, worauf ich mir grade noch keinen Reim machen konnte. Doch dann sah ich sie. Vorne, neben dem Mann saßen die Frau und das Kind, welches wir vorhin getroffen hatten. Der Mann erklärte diesen ganzen Menschen – ich vermute es waren Studenten – welche Diagnosen nun alle auf dieses kleine Mädchen zu treffen würden. Mutter und Tochter saßen gebeugt und etwas verstört vor den vielen Menschen, die nun Fragen stellten zu Symptomen und der Art des Verhaltens. Ich wurde unruhig. Sah denn keiner, dass diese beiden Menschen irgendwie leiden? Dass es beiden nicht gut geht und sie einander nicht verstehen? Meine Freundin bemerkte die Unruhe, die in mir aufstieg und ermutigte mich, mich doch zu Wort zu melden und so stellte ich meine Fragen. Mich interessierte, wozu dieses Mädchen sich so verhielt? Was es damit bei seiner Mutter auslöste uvm.? Da es persönliche Fragen waren und der Mann mir darauf keine Antwort geben konnte, übergab er die Fragen an die Mutter und ich konnte ein kurzes Gespräch mit ihr führen. Während wir redeten schien in das Mädchen etwas Leben zu kommen. Es beobachtete alles ganz genau, wirkte interessiert und fast ein wenig hoffnungsvoll. Beinahe so als wollte es sagen: Gibt es doch noch Hoffnung? Gibt es doch noch Menschen, die versuchen mich zu verstehen?

Dann bin ich aufgewacht. Ich war ziemlich erschöpft und gleichzeitig sehr bewegt. Zunächst wusste ich nicht recht, was ich mit diesem Traum anfangen sollte und so ließ ich ihn eine Weile mit mir gehen. Über den Tag musste ich immer wieder an meinen Traum denken. In mir regte sich etwas. Mein Herz meldete sich deutlich zu Wort: Ist es nicht genau das, wovon du träumst? Ist es nicht genau das, was du dir für diese Welt wünscht?

Mir wurde klar, warum dieser Traum mein Herz höher schlagen ließ. Zum einen war es dieses für mich kaum erträgliche Leid: Kinder und Eltern zu erleben, die einander nicht verstehen. Die sich festgefahren haben und nicht mehr zueinander finden. Wo jeder enttäuscht und allein zurückbleibt, weil es nicht gelingt miteinander in Kontakt zu kommen.

Zum anderen lässt die Vorstellung mein Herz höher schlagen, dass Menschen versuchen ihre Kinder zu verstehen, sie zu sehen, in dem, was in ihnen vorgeht. In ihrem problematischen Verhalten ihre Not wahrnehmen und darauf angemessen reagieren. Für Momente, wenn plötzlich die Liebe wieder zu fließen beginnt und Eltern und Kinder wieder neu zueinander finden.

Dieser Traum suchte mich Anfang des neuen Jahres auf und hat meinen Blick erneut dafür geschärft, wofür ich mich in diesem Jahr einsetzen möchte. Eine Möglichkeit, diesen Traum ein Stück ins Leben zu bringen, sehen wir darin, auf diesem Blog immer wieder Artikel zu verfassen, die unseren Blick weiten und uns so helfen einander vielleicht etwas mehr zu verstehen. Artikel, die uns einladen zu träumen, ob es nicht vielleicht doch auch anders sein könnte. Die motivieren Neues auszuprobieren oder sich Bekanntes wieder neu bewusst zu machen. Texte, die Mut machen sollen, dass dieser manchmal durchaus auch schwere Weg des persönlichen Wachstums und einer gleichwürdigen Beziehung von Eltern und Kindern ein zutiefst gewinnbringender ist. Nicht zuletzt sollen sie neugierig machen und Hoffnung vermitteln, dass man gemeinsam eine gute Lösung für alle finden kann.

Wir schreiben diese Texte nicht, weil es bei uns nie irgendwelche Probleme gibt und wir alles im Griff haben. Ganz im Gegenteil – wir tun es, weil wir wissen, dass dieser Weg Ermutigung, Inspiration und gegenseitige Unterstützung braucht. Wir durften und dürfen dies selbst immer wieder erleben und wollen gerne etwas davon weitergeben.

In diesem Sinne melden wir uns zurück aus unserer Ferienpause und norden uns für das neue Jahr.

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Wir hoffen ihr habt es gut begonnen und trotzt den nächsten Wochen Lockdown neben möglicher Coronamüdigkeit mit der Bereitschaft diese Zeit zu einer besonderen in eurem Leben und dem eurer Kinder zu machen. Wir sind gespannt, was dieses Jahr noch für uns alle bereithält…

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