Der blinde Fleck

Neulich habe ich abends durch das Fernsehprogramm geschaltet und bin an der Sendung „Das Beste für mein Kind – wir erziehen anders“ hängen geblieben. Eine Weile habe ich zugeschaut und beobachtet, was sich mir dort so zeigte. Bei dieser Sendung stellen Eltern vor wie sie ihre Kinder erziehen und tauschen sich dann mit den anderen Eltern darüber aus. Während ich ihren Gesprächen lauschte, kam ich zu folgender Beobachtung: Alle Eltern waren der Meinung, dass sie das Beste für ihre Kinder tun. Spannend wurde es dann, wenn die Eltern begannen sich gegenseitig zu hinterfragen. Eine Familie stellte dann ihre Erziehungsphilosophie vor und die anderen warfen dieser Familie dann in der Sendung, die ich gesehen habe, vor, dass sie ihre Kinder nicht wirklich sehen würden. Sie seien lediglich fixiert auf das, was sie für das Beste halten würden. In den Augen der anderen Eltern gab es in den Filmsequenzen, die die Familie in ihrem Alltag gezeigt hatte, mehrmals Hinweise darauf, dass die Kinder etwas anderes brauchen würden. Interessanterweise war von diesem Blickwinkel als die Familie dann selbst an der Reihe war, plötzlich nichts mehr übrig. Hatten sie doch eben noch hingeschaut, was die Bedürfnisse der Kinder waren, schienen sie in ihrem eigenen Leben dies kaum noch wahrzunehmen, so sehr waren sie mit ihrem Erziehungsideal beschäftigt.

Ein klassisches Beispiel für den blinden Fleck. In diesem Setting hat es mir nochmal gezeigt, wie vieles uns einfach davon abhält einander wirklich zu sehen. Oft sind wir so sehr bei uns und in „unserem eigenen Film“, dass wir den anderen gar nicht richtig wahrnehmen können. Als ich mich dann irgendwann auf den Weg ins Bett machte, sind mir noch zwei Gedanken nachgegangen:

1. Selbstwahrnehmung

Eine gute Selbstwahrnehmung schützt zwar auch nicht vor blinden Flecken, weil wir sie alle haben, aber sie kann dazu beitragen, dass ich mehr bei mir selbst bin. Wenn ich bei mir selbst bin, erhöht sich  wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass ich auch den anderen wahrnehmen kann. Es ist nicht alles völlig konfus und verstrickt, sondern ich bin ich und du bist du und so kann ich dich sehen.

Wie man seine Selbstwahrnehmung stärken kann, wird hier nochmal genauer beschrieben.

2. Wir brauchen einander

Um die eigenen blinden Flecken zu bemerken, können andere Menschen eine wunderbare Hilfe sein. Mehrmals im Jahr kommt eine Freundin mit ihren Kindern zu Besuch. Sie bleiben dann für mindestens sieben Tage bei uns. Diese Zeit ist für mich und auch für sie eine besondere Coachingzeit. Jemand zu haben, der mich erlebt wie ich mich verhalte, mit mir selbst, meinem Mann und unseren Kindern umgehe und die mir aufgrund unseres Vertrauensverhältnisses rückmelden kann, wie sie mich erlebt hat. In diesen Wochen lerne ich unheimlich viel über mich und meine blinden Flecken.

In letzter Zeit haben mich mehrere Eltern mit dem Wunsch konfrontiert, einen Raum zu haben, wo man genau solche Alltagssituationen besprechen kann und eine Rückmeldung bekommt. Einen Raum, wo man sich öffnen und ehrlich zeigen kann. Man nicht bewertet wird, sondern gemeinsam auf die Suche geht, welche Möglichkeiten sich im Miteinander noch bieten. Vielleicht auch so manchem blinden Fleck begegnet und ihn ein wenig erhellt.

Beim Nachdenken über all das ist folgende Idee entstanden, die wir euch heute unter unserer neuen Kategorie „Angebote“ vorstellen wollen. Bestimmt entstehen dort auch immer wieder neue Inhalte. Bei Interesse schaut einfach mal vorbei….

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