Kurzes Corona – Update

Da wir vor Kurzem über unsere Quarantäne berichtet haben und viele Menschen an uns gedacht haben, möchten wir gerne kurz etwas zu unserem weiteren Ergehen schreiben. Tatsächlich ist eines unserer Kinder positiv getestet worden und hatte sich mit Corona infiziert. Zum Glück hatte es einen sehr milden Verlauf. Auch Julia, Theo und Nele sind mit ganz ähnlichen Symptomen erkrankt, allerdings konnte man bei ihnen trotz mehrmaliger Tests den Coronavirus nicht nachweisen. Julia hat wohl den schwersten Verlauf und noch immer mit den Symptomen, oder laut Aussage des Arztes den Spätfolgen, zu kämpfen.

Ab heute endet nun unsere Quarantäne. Wir sind dankbar diese Zeit nun überwunden zu haben und auch dafür, dass die Krankheit bei keinem einen noch schlimmeren Verlauf genommen hat.

Was bleibt zurück?

1. Dankbarkeit

Zunächst bleibt Dankbarkeit für all die liebevollen Menschen, die ihre Hilfe angeboten haben. Ja, wenn man krank ist und das Haus nicht mehr verlassen darf, ist Nachbarschaftshilfe ein großes Glück. Sei es mit einem Einkauf, Mittagessen, Kuchen oder einem Päckchen von Oma und Opa mit vorgezogenen Weihnachtsgeschenk für die Kinder, das den Tag rettet. Oder auch einfach zu spüren, dass Menschen an einen denken, nachfragen und das eigene Erleben mittragen.

So hoffe ich, dass das, was wir im Kleinen erlebt haben, vielleicht auch der Gewinn dieser Pandemie sein kann: mehr Solidarität, ein Blick auf die „Schwachen und Kranken“, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl.

2. Die Kostbarkeit des Lebens

Seit ich Julias Krankheitsverlauf miterlebt habe, bei dem mehrmals die Frage im Raum stand: „Bekomme ich noch genügend Sauerstoff und kann zuhause bleiben oder geht es jetzt nicht mehr?“, hat sich mein Respekt vor der Krankheit etwas erhöht. Denn laut bisherigem Stand gehört sie keineswegs zur Risikogruppe und steckt in der Regel Krankheiten wesentlich schneller weg als wir alle. Nicht so diesmal. Warum? Nicht wirklich klar – bisher nur Mutmaßungen. Vermutlich ist es auch genau dieses Unkontrollierbare an dem Virus, was verunsichert und Angst macht. Denn so leicht kann ich mich nun nicht mehr beruhigen mit einem: „Naja, ich gehöre ja nicht zur Risikogruppe.“

Durch dieses Erleben weitet sich mein Horizont. Mir ist wieder bewusster, dass es nicht nur die Risikogruppen sind, die wir schützen. Es betrifft uns alle. Und wenn ich noch etwas tiefer schaue, zeigt es mir die Kostbarkeit des Lebens und welch schützenwertes Gut es ist.

Wäre es nicht schön, wenn etwas von dieser Lernerfahrung bei uns allen bleiben würde? Von dem Bewusstsein wie schützenswert und kostbar jedes Leben ist? Und gleichzeitig die Erkenntnis, dass wir es eben nicht bis ins Letzte schützen oder erhalten können. Dieses Wissen rückt meinen Blick zurecht. Ich halte mein Leben nicht in der Hand. Doch die Kostbarkeit dieses Momentes, den ich grade erleben darf, will ich achtsam wahrnehmen und mich dankbar daran freuen.

3. Freude über die „kleinen Dinge“

Als Penny und Lotti heute vor die Haustür traten, war ich kurz versucht ihnen zuzurufen: „Lauft! Ihr seid frei!“ Weil ich es doch als etwas zu theatralisch empfand und es scheinbar auch nur meinem Bedürfnis entsprach und nicht dem meiner Kinder, schluckte ich es herunter. Dennoch überkam mich ein Gefühl von Freiheit. Endlich können wir uns wieder von unserem Grundstück fortbewegen und wenn es nur ein Spaziergang als Familie ist oder ein Besuch des benachbarten Spielplatzes. Laut eines weisen Sprüches, merkt man ja immer erst, was man hatte, wenn man es verliert. Heute ging es mir ein wenig so mit unserer wiedergewonnenen Freiheit. Genau betrachtet ist die Freiheit, die wir früher mal hatten, ja momentan immernoch sehr eingeschränkt. Und trotzdem war schon „dieses Kleine“ für mich ganz groß. Das ist etwas, worüber wir auch bereits während dem ersten Lockdown geschrieben haben und man hier nochmal nachlesen kann.

Ich wünsche mir, dass auch davon etwas bleibt und ich es mir bewahre, sowie wir es uns vielleicht auch als Gesellschaft bewahren können, zu erkennen, was uns alles immer zur Verfügung stand und zumindest ich nicht besonders gewürdigt habe. „Meine Freiheit“ zu verlieren hat mein Inneres geschärft für all das, womit ich beschenkt bin. Und so war ich noch nie so glücklich darüber, mit meiner Familie einfach loszulaufen und einen Spaziergang zu machen wie heute. Ich hoffe, dass diese Wertschätzung der kleinen Dinge noch ein wenig anhält oder sogar Teil meines Lebens bleibt. Denn das macht es, so glaube ich, bewusster und dadurch glücklicher.

Mit diesem kurzen Einblick in unser Ergehen, wünschen wir allen, die sich grade in Quarantäne befinden Gesundheit und Geduld. Und auch allen anderen alles Liebe, bleibt gesund und dankbar im Hier und Jetzt….

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