Fairantwortung – Kleidung

Die letzten 3 Jahren habe ich mir viele Gedanken über soziale Verantwortung gemacht. Unter anderem ist daraus die Idee für diese Kategorie entstanden. Ein umfangreiches Thema, bei dem wir heute mit dem Bereich Kleidung beginnen wollen. Zu anderen Themen dieser Kategorie wie Plastik, Essen etc. mehr in kommenden Artikeln. Besonders wichtig ist es uns, dass wir mit den Texten nicht in einem Ohnmachtsgefühl „alles ist so schlimm und ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll“ stecken bleiben, sondern neben einer allgemeinen Information auch Ideen aufzeigen, wie man anfangen kann, etwas zu verändern.

Wir starten mal mit ein paar Fakten rund um das Thema Kleidung[1], wobei es sowohl um soziale als auch ökologische Probleme gehen wird und außerdem noch um das Kaufverhalten der Deutschen.

Wenn es früher eine Winter- und eine Sommerkollektion gab, gibt es heute bis zu 12-24 Kollektionen im Jahr[2]. In den Geschäften wird immer wieder die neuste Ware angeboten und die aussortierten Kleidungsstücke kommen nicht etwa sozialen Einrichtungen zu Gute, sondern werden zum großen Teil vernichtet und eben nicht recycelt. Dieses Phänomen bezeichnet man als Fast Fashion. Immer mehr Kleidung wird zu einer schlechten Qualität hergestellt, damit wir eben auch dauernd etwas Neues „brauchen“ . Das ist ein Kreislauf, der die Ärmsten ständig ärmer und die Reichen noch reicher macht. Fast Fashion bedeutet auch für die Arbeiterinnen erheblichen Stress – immer mehr muss immer schneller für immer weniger Geld gefertigt werden. Die Antwort darauf lautet Slow Fashion – dazu später mehr.

Ein Kleidungsstück wird von uns normalerweise 4x getragen bevor es in die Altkleidersammlung wandert und 19% unserer Kleidung tragen wir nie[3].

Ein durchschnittlicher Haushalt gibt im Monat ca. 100€ für Kleidung und Schuhe aus. Insgesamt sind das pro Haushalt dann ca. 40 – 70 Kleidungsstücke pro Jahr.[4]

Und dazu kommen die ökologischen Probleme[5]. 20.000 verschiedene Chemikalien werden in der Kleidungsindustrie eingesetzt, welches weltweit 30% des Chemikalieneinsatzes ausmacht[6]. Baumwolle zum Beispiel wird in Monokulturen angebaut und dabei werden massiv Pestizide genutzt und riesige Mengen Wasser verbraucht. Zusätzlich sind 80% der angebauten Baumwolle gen-verändert[7]. In den Gegenden rund um die Anbaugebiete gibt es daher ein erhöhtes Aufkommen von Krebs und Geburtenfehlern[8]. Ganze Flüsse und Seen sind verseucht. Doch die Menschen trinken das Wasser und waschen sich darin[9]. Auch wenn diese Zahlen schon bis hier sehr erdrückend sind, geht es leider noch ein wenig weiter, denn Baumwolle macht nur 27% des weltweiten Faserverbrauchs aus.

Am häufigsten wird Polyester für Kleidung benutzt. Dabei werden bei jeder Wäsche mehr als 700.00 Mikrofasern herausgewaschen, wobei die meisten davon nicht ausgefiltert werden können und im Abwasser und somit in unseren Flüssen und Meeren landen. Das tötet Tiere und zerstört unser Ökosystem. Auch wir Menschen nehmen das Plastik wieder auf (durch Wasser, Fleisch, Fisch). Welche Auswirkungen dies auf unseren Körper hat, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch kaum überblicken. Positiv scheinen die Folgen allerdings nicht zu sein.

Ein weiteres Problem bei der Herstellung von Kleidung ist der große Wasserverbrauch. Ganz vorne liegen hier Jeanshosen. So werden zum Beispiel bei der Herstellung einer einzigen Jeans 7.000 Liter Wasser verbraucht – damit könnten wir ein halbes Jahr unsere Klospülung betätigen.[10]

Wenn es um faire Kleidung geht, kommen mir persönlich sofort die Bilder von der in 2012 in Bangladesch eingestürzten Nähfabrik in den Sinn. Über tausend Tote hat dieses Unglück gefordert, darunter Frauen, Männer und auch Kinder. Es wäre wünschenswert, wenn uns so ein Ereignis wachrütteln und dafür sorgen würde, dass die Bedingungen zum Besseren verändert werden. Das ist zum Teil wohl auch passiert. Einige Firmen werden häufiger auf bauliche Mängel kontrolliert und diese werden dann auch öfter behoben. Ein erster kleiner Fortschritt.

Woran sich allerdings wenig geändert hat, sind die Arbeitsbedingungen[11]. Eine Näherin erhält für ein T-Shirt ca. 0,13€. Dabei ist es egal ob uns Käufer das T-Shirt 2,99€ oder 49,99€ kostet[12]. Die Arbeiterinnen erhalten deswegen leider nicht mehr Lohn. Bei dem teureren Shirt sind dann im besten Fall noch die Materialien etwas hochwertiger, aber den größten Gewinn haben die Firmen selber. Für die Näher/innen gibt es häufig kein Arbeitsrecht, keine Pausen, keine festen Arbeitszeiten und auch keine Kontrollen, ob Kinder arbeiten.

In Deutschland ist es uns sehr wichtig, dass alle fair bezahlt werden. Es gibt Gewerkschaften, die immer dann eingreifen, wenn es nach Ungerechtigkeit riecht. Es gibt Frauenqouten – das bloß niemand benachteiligt wird. Das alles ist sehr erfreulich. Es zeigt aber auch, dass unser Sinn für Gerechtigkeit manchmal an der eigenen Nasenspitze Halt macht. Denn wo ist unser Sinn für Gerechtigkeit, wenn es um Männer, Frauen und Kinder in anderen Ländern geht. Wir wollen alle gute Arbeitsbedingungen haben, nehmen bzw. unterstützen aber die schlechten Arbeitsbedingungen anderer Menschen durch unser Kaufverhalten. Ich habe den Satz gelesen: Kunden jagen Schnäppchen und andere zahlen dafür mit ihrem Leben. Das ist eine sehr krass Aussage – aber leider zeigt es sich genau so in unserer Realität.

Diese Liste könnte ich noch lange weiterführen und mit jedem Satz, den ich schreibe, fühle ich mich ein bisschen schlechter. Doch leider ist dieses Bewusstsein über die Folgen des eigenen Handelns nötig, um zu merken, dass man mit seinem Kaufverhalten diese Bedingungen unterstützen oder sich für andere Bedingungen einsetzen kann. Was ist nun der Weg heraus aus diesem Kreislauf? Weg davon, dass wir ein Leben auf Kosten unserer Mitmenschen leben?

Gar nicht so einfach…

Ich möchte euch ein bisschen von meinem Weg erzählen. Ich muss gestehen: Ich liebe Kleidung! Mein Mann hat sich darüber schon häufig lustig gemacht, dass ich in Geschäften die Kleidung nicht nur anschaue, sondern auch fühle und daran rieche. Ich mag schöne Stoffe sehr gerne, liebe unterschiedliche und vor allem besonders feine Materialien. Mich begeistert Mode, die nicht „Mainstream“ ist und am liebsten würde ich jede Woche etwas Neues tragen.

Gleichzeitig ist Gerechtigkeit ein Thema, was mich schon immer sehr anspricht. Es bewegt mich, wenn ich mitbekomme, dass es anderen Menschen nicht gut geht und unter welchen Bedingungen sie leben. So habe ich mich immer mehr mit dem Thema soziale Gerechtigkeit und Verantwortung beschäftigt. Wie kann ich schöne Kleidung kaufen und gleichzeitig wissen, dass die Menschen eine faire Bezahlung erhalten haben, ohne Belastung durch Schadstoffe leben und die folgenden Generationen nicht auch noch die Auswirkungen davon spüren müssen.

Ein erster Ansatz war, dass ich angefangen habe Second Hand zu kaufen. Das ist mir noch nicht sonderlich schwer gefallen, da ich gerne in Bergen von Klamotten herumstöbere, um ein besonderes Teil zu finden. Was ist aber, wenn einem das nicht liegt – wenn ich es nicht mag zu Second Hand Basaren oder Flohmärkten zu gehen und sich dort unter die Menschenmassen zu begeben?

Wir haben eine Whatsapp-Gruppe mit ein paar Freunden, dort stellt man verschiedene Dinge, und eben auch Kleidung ein, die man nicht mehr haben möchte und ein anderer erfreut sich dann daran. Das geht natürlich ganz gut, wenn alle eine ähnliche Größe haben. Sonst wird es schon etwas schwieriger. Eine andere Möglichkeit sind noch die Portale Kleiderkreisel, Kleinanzeigen, ebay,… Dort finden sich ebenfalls schöne Sachen.

Aber was ist mit der Kleidung, die ich nicht gebraucht kaufen möchte oder finde? Mittlerweile gibt es einige Stores im Internet, bei denen man fair einkaufen kann. Oft sind diese nicht ganz günstig. Ich liste mal ein paar Seiten auf, bei denen man sich diesbezüglich umschauen kann. Wichtig ist mir dabei die Produktion (in Deutschland und wenn im Ausland dann zu fairen Löhnen) und die Materialien, die verwendet werden (keine/wenig Chemikalien, nachwachsende/recycelbare Materialien).

Die umweltfreundliche Antwort auf all die Informationen oben ist wie gesagt „Slow – Fashion“. Es geht um die Wertschätzung der Kleidung, die ich besitze. Es geht darum nicht nur fair und nachhaltig Kleidung zu kaufen, sondern weniger zu kaufen und mit dem zufrieden zu sein, was man hat.

Hier nun ein paar ganz praktische Tipps für Slow Fashion:[13]

  • Vorhandene Mode pflegen und wertschätzen
  • Gezielt auswählen und weniger neu kaufen
  • Gut Kombinierbare, zeitlose Kleidung tragen
  • Qualität kaufen (also langlebige Kleidung)
  • Eigenen Style definieren und Trends ausblenden
  • Kleidung reparieren umnähen & upcyceln
  • Überflüssige Mode tauschen oder verkaufen

Immer häufiger gibt es auch bei Discountern die Angabe, dass Kleidung „bio“, „fair“ oder „nachhaltig“ ist. Doch woran kann man erkennen, dass dem wirklich so ist? Es gibt einige Siegel, die bestätigen, dass dieses Kleidungsstück tatsächlich unter guten Bedingungen und zu fairen Löhnen hergestellt wurde. Das sind folgende Label[14] :

Natürlich gibt es noch viel mehr Siegel. Ich habe mich hier für die Zuverlässigsten entschieden. Ein neues staatliches Siegel „grüner Knopf“ ist zum Beispiel noch sehr umstritten[15].

Im Moment geht der Trend dahin, dass immer mehr Labels sich Mühe geben Lieferketten transparenter zu machen[16]. Andere Ketten versuchen ein bisschen faire Mode einzuführen. Das ist sicherlich ein guter Anfang. Ich denke allerdings, dass es zu einem Umdenken der Verbraucher kommen muss. Leider geht das nicht ohne Verzicht (über dieses Thema demnächst mehr in einem Artikel), doch der Preis, den wir für „Fast Fashion“ zahlen, ist meiner Meinung nach einfach zu hoch. Und für mich fällt dieser Preis kaum ins Gewicht, wenn es darum geht Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen!

Hier noch ein paar Shops mit nachhaltiger Kleidung :

Avocadostore – https://www.avocadostore.de/

 Bleed – https://www.bleed-clothing.com/deutsch

Hier findet ihr noch mehr shops https://utopia.de/bestenlisten/mode-shops-nachhaltige-mode/

Angaben zum Artikel:

Inhaltliche Gestaltung: Julia Bernhardt Sprachliche Gestaltung: Magdalena Wege


[1] https://www.fairfashionguide.de/index.php/infoboxen/item/19-fakten

[2] https://greenwire.greenpeace.de/system/files/2019-04/s01951_greenpeace_report_konsumkollaps_fast_fashion.pdf

[3] https://www.youtube.com/watch?v=zUYQnSMZ54Q

[4] Siehe ³

[5] https://textileexchange.org/wp-content/uploads/2017/02/TE-Preferred-Fiber-Market-Report-Oct2016-1.pdf

[6] https://taz.de/Industriedesigner-ueber-Cradle-to-Cradle/!5022000/

[7] https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/gentechnik/hintergrund/baumwolle_hintergrund.pdf

[8] Pritpal Singh / Dokumentation: The True Cost

[9] https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/20110713-Chemikalien-in-der-Textilindustrie-Greenpeace-Report.pdf

[10] https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/es_reicht_leporello_mode_konsum_e01081_150528.pdf

[11] https://www.youtube.com/watch?v=zUYQnSMZ54Q

[12] https://www.youtube.com/watch?v=zUYQnSMZ54Q

[13] https://www.careelite.de/fast-fashion/

[14] https://utopia.de/ratgeber/siegel-kleidung-textilien-ohne-gift-textilratgeber-greenpeace/

[15] https://utopia.de/siegel/gruener-knopf-staatliches-siegel-nachhaltige-kleidung/

[16] https://www.youtube.com/watch?v=zUYQnSMZ54Q

%d Bloggern gefällt das: