Vater sein

Heute wollen wir mal einem Mann Raum geben ein paar persönliche Gedanken aus seiner Perspektive zu beschreiben. Als dieser Text bei uns ankam, war ich wirklich bewegt. Seine Gedanken sind mir ja nicht neu und wir sind in regem Austausch. Doch durch seine Worte wurde mir nochmal deutlich wie sehr ihn 10 Jahre Vaterschaft verändert haben. Aber lest selbst…

Vater sein – ein paar ganz persönliche Gedanken…

Es gibt viele verschiedene Arten von Vätern. Eigentlich ist jeder Vater anders und dennoch gibt es Dinge, die wahrscheinlich jeder Vater erlebt und mit denen er sich auseinandersetzen muss.

Es beginnt lange vor der Geburt des ersten Kindes. Der Mann sieht sich der Frage gegenüber: Möchte ich einmal Vater sein? Und wenn ich es möchte, kann ich das überhaupt und was für ein Vater möchte ich sein. Was habe ich für einen Vater und was möchte ich von ihm übernehmen und was ganz anders machen.

Tiefgründige Fragen, mit denen ich mich als junger Mann nie auseinandergesetzt hatte. Hatte meine Frau schon genaue Vorstellungen zu etlichen dieser Fragen, blieben für mich viele davon unbeantwortet, bis auf einmal dieses kleine Geschöpf da war und mir klar wurde, dass es auf mich angewiesen ist.

Heute bin ich sehr froh, dass ich mir diese tiefgründigen Gedanken nicht gemacht habe. Hätte ich damals mal genauer hingesehen und mich mit anderen darüber ausgetauscht, wie sehr mein Leben sich verändern wird, hätte ich dann diesen Schritt gewagt? Heute bin ich Vater von drei Söhnen und einer Tochter und mein Leben ist bunt und voller Überraschungen.

Mich beschäftigt heute oft die Frage, wie ich meiner Familie gerecht werden und dennoch ein selbstbestimmtes Leben führen und meine eigenen Träume und Ziele verwirklichen kann. Stehen diese Dinge in Konkurrenz zueinander oder ergänzen sie sich vielleicht sogar? Brauchen meine Kinder viel Zeit mit mir oder hält sie das gerade vom Kindsein ab? Ist es vielleicht sinnvoller weniger, aber wertvolle Zeit, miteinander zu verbringen? Was vermittle ich meinen Kindern zum Stellenwert von Beruf, Hobbys, Gemeinde, Zeit für mich, Zeit für die Ehe, Zeit fürs Nichtstun?

Das sind alles Dinge, die man rauf und runter diskutieren kann. Jeder bringt seine Prägungen mit, für jeden stellen sich die eigenen Prioritäten anders dar. Jetzt bin ich als Vater gefragt, denn meine Kinder schauen genau hin und vieles von dem, wie ich es heute mache, wird sie prägen. Ich bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass mir drei Dinge wichtig sind, um meiner Familie gerecht zu werden, auch wenn die Zeit knapp wird.

  1. Leidenschaft

Ich denke, wenn ich das, was ich tue mit Leidenschaft mache, dann färbt es auf meine Kinder ab. Sie interessieren sich dafür und nehmen mir ab, dass es mir wichtig ist. Meine Leidenschaft zu leben, lädt sie ein sich auch selbst für etwas zu begeistern (vielleicht teilen wir sogar die eine oder andere Leidenschaft).

2. Selbstachtsamkeit

Ich merke, wenn ich mit mir im Reinen bin, färbt das auf meine Kinder ab. Mir ist es wichtig, dass meine Kinder merken, dass ich Bedürfnisse habe und auch lernen ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und ernst zu nehmen.

Ich sehe mich im Alltag vielen Entscheidungen gegenüber und ich könnte leicht das Doppelte der zur Verfügung stehenden Zeit gebrauchen. Helfe ich im Sportverein aus, übernehme ich noch diese Aufgabe in der Gemeinde. Engagiere ich mich in diesem oder jenem Ausschuss. Gehe ich auf die Feier, helfe ich hier und da und dort. Es geht nicht ohne „nein“ zu sagen. Hier übe ich mich auf dem Weg der Selbstachtsamkeit. Kann ich mir mit diesem „nein“ weiterhin in die Augen schauen? So ist der Weg frei, die Dinge zu denen ich „ja“ sage, mit Leidenschaft anzugehen.

3. Liebe

Unterschiedliche Meinungen, verschiedene Herangehensweisen, andere Bedürfnisse begleiten unseren Familien-Alltag, je älter die Kinder werden desto mehr. All diese Dinge bekommen nun meine Aufmerksamkeit. Meine Kinder mit dem was sie brauchen zu sehen, ist für mich neben der Zeit, die wir ganz aktiv miteinander verbringen, ein Weg geworden meine Liebe zu zeigen.

Ich schreibe diese Zeilen nach einem Abend, an dem ich meinem 5-jährigen Sohn geschworen habe, ihn nicht mehr ins Bett zu bringen, da er mir abends schon so viele Stunden geraubt hat, weil er einfach nicht einschlafen will. Wenn ich gleich nach Hause komme, wird er davon nichts mehr wissen trotzdem ist eine Entschuldigung von mir fällig.

Mein ältester Sohn beginnt sich hin und wieder zurück zu ziehen, Worte wie „weiß nicht“, „kein bock“, „soooory“ und „egal“ halten immer mehr Einzug. Küsschen werden peinlich und dennoch, in manchen Momenten kommt er noch angekuschelt und braucht die Nähe von Papa.

Meine 2-jährige Tochter setzt jetzt schon einen „Hundeblick“ ein. Ist das bei Frauen angeboren? Das macht mich wahnsinnig, denn ich folge ihren Wünschen, als würde der Teil des Gehirns, der für meinen Willen zuständig ist, von ihr ferngesteuert. Sie ist einfach das bezauberndste Wesen der Welt. Oder ist sie gar nicht von dieser Welt?

Die Welt so zu bauen, wie sie mir gefällt. Das ist das Prinzip meines 8-jährigen Sohnes. Ideen hat er viele und abenteuerlich sind auch seine Erklärungen, wie er das alles umsetzen wird. Bei einem Papa, der technisch eher so semi-begabt ist, hakt es dann doch immer mal wieder an der Kommunikation.

Ich habe entdeckt, dass Vater sein auch manchmal heißt, Klamottengrößen von Kindern zu lernen, mit Kindern auf dem Arm Richtung Toilette zu rennen, sich zum hundertsten Mal anzuhören, wie meine Frau von der Geburt erzählt, im Halbschlaf barfuß auf einen Legostein zu treten etc..

Nichts davon würde ich eintauschen!!!

Vielleicht war es auch perfekt, dass ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Denn ich glaube Vater sein hat mein Leben total verändert. Und es hat mich zu einem „besseren Menschen“ gemacht…

Nathanael liebt es zu schreiben und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Außerdem ist er am liebsten in der Natur. Dabei ist es egal ob beim gärtnern oder joggen – er mag es draußen zu sein.

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