Vertrauen von Anfang an…

In meinem Leben bin ich immer wieder Menschen begegnet, die mich stark beeinflusst haben. Einen solchen Menschen wollen wir heute selbst zu Wort kommen lassen. Eine Frau, die mich in allen drei Schwangerschaften begleitet und immer wieder eingeladen hat, mir selbst, meinem Körper, meinem Kind und dem Leben selbst zu vertrauen. In Pennys Schwangerschaft und Geburt war sie noch persönlich als meine Freundin und Hebamme an unserer Seite. Bei Lotti war sie mittlerweile mit ihrer Familie an einer neuen Station in ihrem Leben. Dennoch war es auch sie, die mir zur rechten Zeit half zurückzufinden ins Vertrauen. Durch ein Telefonat mit ihr während Lottis Geburt nahm sie mir meine Angst, machte mir Hoffnung und zeigte mir so den Weg. Wollten die Hebammen im Geburtshaus uns vor dem Telefonat noch nach Hause schicken, weil sich trotz bereits 7 Stunden Wehen nichts zu tun schien, so war der Muttermund nach unserem Gespräch deutlich weiter geöffnet und Lotti zweieinhalb Stunden später auf der Welt. Und auch bei Fritzs Schwangerschaft war sie der Mensch, der mir half in all den Herausforderungen guter Hoffnung zu bleiben. Ich hatte zwei sehr unkomplizierte Schwangerschaften hinter mir. Bei Fritz allerdings musste ich in der 10. Schwangerschaftswoche mit heftigen Blutungen ins Krankenhaus. Der freundliche und engagierte Rettungssanitäter hatte im Krankenwagen bereits alles dafür tun wollen mich darauf vorzubereiten, dass ich hier grade eine Fehlgeburt habe. Als ich im Krankenhaus ankam wurde direkt ein Ultraschall gemacht. Als ich dort unser Baby sah, war ich sprachlos vor Glück, denn mit diesem Wunder hätte ich nicht gerechnet. Gleichzeitig kam eine ungewisse Zeit auf uns zu. Immer wieder hörten wir, dass es durchaus möglich sein kann, dass wir Fritz wieder gehen lassen müssen. Ich sollte liegen und das versuchte ich auch überwiegend. Bis ich es irgendwann nicht mehr aushalten konnte und zum Hörer griff und meine Freundin anrief. Nach unserem Gespräch war mir klar, dass ich unser Baby nicht halten kann. Ich kann nur Vertrauen und entweder es bleibt bei uns oder nicht. Ich versuchte weiter mich nicht zu sehr anzustrengen und immer wieder auszuruhen. Doch mir war nun klar, dass es nicht an mir liegt. Ich darf Vertrauen (damals fühlte es sich allerdings eher wie ein „ich muss Vertrauen“ an). Gott sei Dank ist Fritz bei uns geblieben und nach einer turbulenten Geburtsgeschichte, konnten wir ihn dann vor drei Jahren in den Armen halten.

Ich glaube, dass solche Menschen Gold wert sind. Menschen, die einen grade in Veränderungen ermutigen zu vertrauen. Die einem selbst alles zutrauen und vollstes Vertrauen in einen haben. Darum möchten wir diese Ermutigung heute noch mehreren Menschen zukommen lassen.

Bleibt guter Hoffnung. Vertraut euch!

Aber lest selbst…

„Mit positivem Schwangerschaftstest steht auf einmal die Welt Kopf, aus dem Paar wird eine Familie, aus der Familie eine Großfamilie. Nun beginnt eine aufregende Zeit, die aber auch nicht immer einfach ist.

Immer wieder erlebe ich es als Hebamme, dass Frauen völlig aufgelöst zu mir kommen oder mich anrufen und sich gerade gar nicht wirklich freuen können über ihre Schwangerschaft. Doch was ist hier passiert?

Frauen, die zum ersten Mal schwanger sind, hatten beispielsweise einen auffälligen Ultraschall und bekommen eine Diagnose, dass ihr Kind möglicherweise eine Erkrankung haben könnte. Jegliche Freude auf das Baby ist dahin und es entstehen lange und sorgenvolle Tage bis zur weiterführenden Untersuchung oder dem nächsten Ultraschall. Das Vertrauen und die naive Leichtigkeit einfach nur schwanger zu sein sind verschwunden.

Frauen, die zum wiederholten Mal ein Baby erwarten und nun vielleicht Blutungen in der Frühschwangerschaft hatten, sollen ab jetzt liegen und nicht schwer heben. Doch wie ist das im Alltag mit einem weiteren Kleinkind möglich? Jede Mama unter uns wird wissen – gar nicht. Und so entsteht ein ungutes Gefühl, die Anordnung nicht einhalten zu können sich auszuruhen, gleichzeitig dem/den großen Kind/ern nicht gerecht zu werden aber eben auch die Sorge nicht alles zu tun, damit das noch kleine Baby im Bauch heranwachsen kann. Blutet es dann erneut oder endet die Schwangerschaft womöglich in einer Fehlgeburt, haben diese Frauen das Gefühl selbst schuld zu sein an der Fehlgeburt.

An solchen Punkten kann die Begleitung einer Hebamme positiv dazu beitragen, aus dem Gefühl des „schuldig seins“ hinauszukommen. Auch ich als Hebamme empfehle in solch einer Situation Ruhe, versuche gemeinsam mit der Frau/dem Paar herauszufinden, wer Unterstützung sein kann (Partner, Oma, Freundin, Haushaltshilfe…) aber gleichzeitig möchte ich die Last der Schuld von den Schultern der Schwangeren nehmen. Selbst wenn sie 24 Stunden liegen würde und alles täte, damit das noch kleine Baby bei ihr bleibt, hat sie es nicht in der Hand und selbst bei Maximalversorgung ist es möglich, dass das Baby sich entscheidet zu gehen. Hier ist es schwierig den Wunsch alles kontrollieren und bestimmen zu wollen loszulassen und das Leben zu nehmen, wie es kommt.

Die Angst werde ich im Gespräch nicht ganz nehmen können, die wird bleiben, aber der Zuspruch Vertrauen in den eigenen Körper und das noch kleine Baby zu haben, kann dazu beitragen, dass die Frau wieder auf die leisen Signale ihres Körpers achtet und so für sich und ihre Familie einen möglichen Weg findet, zwischen Ruhe halten, Achtsamkeit für sich selbst und Mama sein für das/die große/n Kind/er.

Eigentlich geht es doch darum guter Hoffnung zu sein.

Ich mag diesen alten Begriff für das Schwanger sein sehr. Denn er drückt aus, um was es eigentlich geht – um Hoffnung. Hoffnung ist laut Wörterbuch das Vertrauen in die Zukunft, die Zuversicht und der Optimismus, dass alles gut werden wird. Deshalb stelle ich auch manches in Frage, was heute praktiziert wird. Ist es beispielsweise nötig, direkt in der 5. Schwangerschaftswoche einen Ultraschall zu machen, um zu schauen, ob auch alles stimmt? Macht es Sinn möglichst viele Untersuchungen durchzuführen, ob das Baby gesund sein wird? Ist es stattdessen nicht hilfreicher, mit Fachwissen, Empathie und Vertrauen eine Frau durch diese besondere und sensible Lebensphase zu begleiten?

Genau das ist ureigenste Hebammenarbeit – das Vertrauen, dass Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett besondere Phasen im Leben einer Frau sind, die aber nicht etwas mit Krankheit zu tun haben, sondern mit Gesundheit. Dieses Wissen und das Vertrauen in die Frau und ihren Körper, der dafür geschaffen ist, ein Kind in sich wachsen zu lassen und zu gebären hilft der Schwangeren, auf den eigenen Körper zu hören und zu achten. Was für eine Freude ist es für mich als Hebamme, wenn ich eine Familie durch diesen Prozess führe und sehen darf, welch eine Kraft und ein Selbstvertrauen Frauen und Familien daraus schöpfen, wenn sie einfach schwanger sein dürfen, also guter Hoffnung sind und auch mit solch einer Zuversicht in die Geburt gehen. Ich mache jeder Schwangeren Mut sich mit positivem Schwangerschaftstest eine Hebamme zu suchen, die sie durch die Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett führt und begleitet.

Und so wie Schwangerschaft für mich kein Zustand des Krankseins ist, sondern ein „Guter-Hoffnung-Sein“, so ist auch die Geburt für mich als Hebamme kein krankhafter Prozess, sondern ein Geschehen, dass mit viel Sensibilität, Zurückhaltung und Fachwissen begleitet, ein physiologischer Vorgang im Leben einer Frau ist. Aber vielleicht dazu ein anderes Mal mehr…“

undefined Ann-Kathrin Huser ist Mama von drei Kindern und lebt mit ihrer Familie in Witten. Außerdem ist sie unter anderem noch Hebamme, Stillberaterin und hat sich fortgebildet in der Traditionellen Lehre der Hebammen- und Entbindungskunst.

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