Wenn alles anders läuft als geplant…

Immer mal wieder gibt es diese Tage, wo alles anders läuft als geplant. Wir kamen heute prompt in den Genuss einen solchen Tag erleben zu dürfen. Ich hatte mir ein paar Dinge überlegt, die ich machen wollte und auch schon so einen leisen Verdacht, dass meine Planung vielleicht doch etwas straff sein könnte. So stand ich heute Morgen mit Fritz auf und startete mit ihm in den Tag. Irgendwann kam auch Penny nach unten. Lotti schlief noch immer und so war ich ganz überrascht als plötzlich mein Mann schon ausgehfertig die Treppe herunter kam. Ich schaute ihn verwundert an und er meinte nur: „Na, ich hab doch einen Frisurtermin.“ Ah ja, das hatte er mir gestern noch erzählt. Irgendwie hatte ich den nicht mit eingeplant. Als er dann nach einer Stunde wieder vom Frisur da war, machte ich mich mit Penny auf den Weg um schnell etwas einzukaufen. Penny wollte irgendeinen speziellen Schleim herstellen und suchte jetzt noch ein paar ganz bestimmte Zutaten. Nach vier Geschäften und fast allen benötigten Lebensmitteln inklusive den Zutaten für die Spezialschleimmischung machten wir uns wieder auf den Heimweg. Mittlerweile war es schon 13 Uhr und meine Einschätzung eines schnellen Einkaufs war völlig daneben gewesen. Ich glaube, dass man mit den Kindern, die einem geschenkt werden irgendwie auch eine Entwicklungsaufgabe bekommt. Mit Penny habe ich wirklich meine Meisterin gefunden, was Geduld und Sanftmut betrifft. Schon bei ihrer Geburt waren alle, die dabei waren am Schwitzen und die Hebammen beteuerten immer wieder: „Oh, die kleine Dame lässt sich aber bitten!“ Da ich noch nie zuvor ein Kind zur Welt gebracht hatte, bemerkte und bewerte ich die Situation damals ganz anders. Ich dachte eine Geburt sei einfach so. Ich wusste es ja nicht besser und so blieb ich ganz ruhig und entspannt (soweit das unter Geburt möglich ist). Ich bin sehr froh über mein Vertrauen und das Schweigen der Hebammen, die mich nicht besorgten, indem sie mir sagen, dass Penny als Sternengucker zur Welt kommen würde und es jetzt alles schon sehr lange dauerte. Meine Frage, ob „das hier alles noch was wird“, die ich dann irgendwann doch mal stellte, beantworteten sie mir ganz überzeugt mit „Ja!“. Auch heute sagt Penny manchmal zu mir „Ach Mama, ich mach das in meinem Tempo.“ Heute beim Einkaufen merkte ich wieder, dass Pennys und mein Tempo sehr unterschiedlich sind. Bis sie das Auto verlassen hat, bin ich schon inklusive Wagen im Geschäft und je mehr man sie versucht anzutreiben, umso schwieriger und auch langsamer geht alles. Naja, so kamen wir also von einem Einkauf nach Hause, der mich durchaus herausgefordert hatte. Jetzt waren wir hungrig und wie gestern besprochen sollte es heute Spargel geben, der dringend gekocht werden musste. Doch Zuhause angekommen traf ich lediglich auf Theo und Lotti die etwas spielten. Fritz war bei Neele und meinen Mann fand ich in seiner Werkstatt, die er grade einrichtet. Irgendwie hatte er unsere Absprache vergessen. Ich merkte, dass ich nun an dem Punkt angekommen war, wo klar war, dass all das, was ich mir vorgenommen hatte, nicht mehr möglich sein würde. Ich war super genervt. Und machte mich daran die Kartoffel und den Spargel zu schälen. Als dann um 15 Uhr endlich unser Mittagessen startete, hatte ich etwas Zeit gehabt und mich bisschen erforscht und beruhigt.

Als ich heute dann wütend meinen Spargel schälte, beobachtete ich mich wie ich mit der Situation kämpfte. Ich war frustriert, aber langsam dämmerte mir, was hier eigentlich passiert war.

Vielleicht kennt der/die eine oder andere auch solche Situationen. Ich glaube das zwei Dinge erheblich dazu beitragen:

1. Fehlende Selbstwahrnehmung/-emphatie

Ich wusste heute Morgen gar nicht recht, was ich brauchte und was mir wichtig ist. Erst da, wo ich mich geärgert habe, wurde mir klar, dass es Bedürfnisse gibt, die unerfüllt sind. Dadurch, dass ich nicht gut mit mir in Kontakt war, konnte ich mich nicht für meine Bedürfnisse einsetzen und die Dinge „passierten“ einfach so

2. Viel „Müssen“ und vermeintliche Erwartungen

Anstatt mit dem in Kontakt zu sein, was meinen Werten und Bedürfnissen entspricht, war ich sehr gut in Kontakt mit all dem, was sein muss und was die anderen um mich herum brauchen. Ich hatte diesen Dingen die oberste Priorität gegeben und wollte es gerne alles zuerst erledigen. Wenn das dann abgearbeitet war, wollte ich die Dinge tun, die mir heute wichtig waren. Als ich jedoch merkte wie die Zeit verrinnt und damit das, was ich machen möchte in weite Ferne zu rücken schien, wuchs meine Frustration.

Durch meinen Ärger, kam ich dann wieder in Kontakt mit mir und dem, was ich eigentlich brauche. Und mir wurde klar, dass ich versucht hatte zunächst alles abzuarbeiten um mich dann mir und meinen Bedürfnissen zu widmen. Ich denke mein Mann wäre auch einkaufen gefahren, wenn ich ihn gefragt hätte. Dadurch, dass ich mir dessen aber nicht bewusst war, was da passiert, habe ich mich erst aufgeregt als ich gemerkt habe, dass andere meinem Antrieb „erst die Arbeit dann das Vergnügen“ nicht folgen. Ja, und ganz im Gegenteil, dass mein Mann sich sogar erlaubte zuerst das zu tun, was ihm wichtig war, nämlich das Einrichten seiner neuen Werkstatt. Ich bin froh, dass mein Mann und Penny sich meinem Antrieb nicht angeschlossen haben und mich auflaufen ließen. Ich bin dankbar für diese Erfahrung und teile sie hier aus zwei Gründen.

Zum einen zeigt sie ganz wunderbar, dass wir alle unterwegs sind und stets Lernende bleiben. Und zum anderen glaube ich, dass diese Situation heute beispielhaft vieles deutlich machen kann, was in Konflikten unter der Oberfläche abläuft. Ich denk, dass solche Situation häufig vorkommen.

Oft machen uns erst Gefühle, die wir meist als unangenehm wahrnehmen, darauf aufmerksam, dass wir ein unerfülltes Bedürfnis haben. Und dann ist es sehr verlockend dem anderen wiederum die Verantwortung für das eigene Unwohlsein zu geben. Hätte mein Mann einfach mal gekocht, hätte ich ja „allen gerecht“ werden und auch noch mein Eigenes machen können. Eigentlich war er und sein Verhalten doch das Problem, nicht wahr? Oder Penny, die sich einfach nicht beeilt und dadurch der Einkauf nun anstatt einer eben zwei Stunden dauert. Ist sie nicht das Problem wieso alles jetzt nicht funktioniert? So zu reagieren ist sicher verlockend und auch erstmal ganz menschlich. Doch es bringt uns auf lange Sicht nicht weiter. Denn das Grundproblem war heute ein ganz anderes.

In der nächsten Woche wollen wir uns daher nochmal intensiver mit dem Thema Selbstwahrnehmung auseinandersetzen. Wie kann ich gut mit mir in Kontakt sein? Wie spüren was ich brauche? Denn um die Verantwortung für sich und seine Bedürfnisse übernehmen zu können, muss man zunächst mit diesen in Kontakt sein. Über Konflikte und Probleme kommt man mit ihnen in Kontakt wie man an dem heutigen Beispiel sieht. Doch sie auch ohne Konflikte wahrzuehmen, spart einiges an Energie.

Ich bin dankbar über diese heutige Lernerfahrung und die Einladung die Verantwortung für meine Gefühle und Bedürfnisse wirklich wahrzunehmen. Und so Verstrickungen zu vermeiden, in denen ich mich zum Beispiel um die Bedürfnisse anderer kümmere und von den anderen erwarte, dass sie sich um meine Bedürfnisse kümmern. Das ist dann eben kein Geschenk mehr, was ich dem anderen mache, sondern ein Handel, der uns miteinander verstrickt.

So schaue ich nun auf diesen Tag und bin froh, dass er anders gelaufen ist als geplant und so für mich zu einem heilsamen Tag wurde!

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