Das Leben feiern

Auf unserem Blog haben wir die letzten Wochen viel darüber geschrieben, wo es überall Entwicklungsmöglichkeiten gibt und einige Chancen aufgezeigt, die sich in Konflikten und Herausforderungen verbergen. Das ist alles sehr gut und wichtig. Doch heute wollen wir mal unsere Perspektive etwas verändern.

Vielleicht sind wir Deutschen auch generell einfach nicht so gut darin. Manchmal kommt es mir vor als würde es uns viel leichter fallen, die Dinge an uns oder in unserem Leben zu finden, die nicht gut laufen und verändert werden sollten. Der Spruch „Nicht geschimpft ist genug gelobt“ macht diese Mentalität ebenfalls deutlich. Ich selbst ertappe mich auch immer wieder dabei, wie ich meinen kleinen „Erfolgen“ wenig Beachtung schenke, meinen Herausforderungen dagegen ein Vielfaches mehr.

Als ich die letzten Wochen so über dieses Thema nachdachte, viel mir eine Begebenheit mit Penny ein. Mit fünf Jahren kam Penny in den Kindergarten. Die erste Zeit ging ich mit ihr. Sie fand schnell zwei Kinder, die sie gerne mochte und es gefiel ihr im Kindergarten mit ihnen zu spielen. Ich erinnere mich noch an den ersten Tag, als ich sie morgens hinbrachte, nach Hause fuhr und dann später wieder abholte. Beim Abholen war sie ganz erfreut und ich hatte den Eindruck sie fühlte sich „größer“. Sie war stolz auf ihre Entwicklung und ich natürlich auch. Wir unterhielten uns im Auto ein wenig darüber und teilten unsere Freude. Dann meinte Penny: „Mama, ich würde gerne ein Fest feiern.“ Gesagt – getan. Wir machten spontan einen kleinen Abstecher zum Supermarkt, kauften ein paar Getränke und Knabbereien und Penny rief Freunde an, die sie gerne dabei haben wollte. So feierten wir und verbrachten einen schönen Nachmittag auf dem Spielplatz.

Mir wurde bei der Erinnerung an diese Geschichte klar, dass Penny sich über sich selbst gefreut hat. Das hat in ihr den Wunsch ausgelöst diese Freude zu teilen. Ich glaube wir sollten unsere Entwicklungsschritte viel mehr feiern. Oft fällt uns abends auf, dass es diesen Tag nur Streitigkeiten gab und es uns nicht gelungen ist diese angemessen zu begleiten. Oder wir merken, dass wir uns heute nicht so verhalten haben wie es für uns stimmig ist. Vielleicht Kompromisse gemacht haben, weil wir uns nicht getraut haben zu sagen, was wir wollen. Wir merken wie uns heute möglicherweise negative Gedanken runtergezogen haben und man nicht wirklich zurückfinden konnte zu Vertrauen und Hoffnung. Doch fällt es uns auch auf, wenn es anders ist? Wieso gibt es abends kein Festessen, wenn wir einen schönen Tag miteinander verbracht haben? Rufen wir unsere Freundin auch an, wenn es uns gelungen ist einen Konflikt so zu begleiten, dass wir näher zueinanderfinden und teilen mit ihr unsere Freude? Mit wem feiern wir, dass wir es heute geschafft haben, zu unseren Werten und Bedürfnissen zu stehen? Wem erzählen wir, dass wir heute Zuversicht spüren?

Für mich drückt etwas zu „Feiern“ vor allem zwei Dinge aus: Würdigung und Dankbarkeit.

Wir möchten heute einladen zum einem Lebensstil, der auch das „feiern“ mit einschließt. Dieses Feiern kann natürlich ganz unterschiedlich sein. Die Frage ist: Wie würdigen wir etwas Bestimmtes und wie drücken wir unsere Dankbarkeit aus. Ich denke hier muss jeder seine ganz eigene Form finden. Als wir zum Beispiel kurzerhand beschlossen haben diesen Blog ins Leben zu bringen, wollte ich abends zu Julia laufen um die letzten Feinabstimmungen zu erledigen. Plötzlich überkam mich die Idee, dass ich eine Flasche Sekt, die lustigerweise seit ein paar Tagen noch ohne festgelegten Anlass in unserem Kühlschrank auf ihren Moment wartete, mitzunehmen. Ich hatte auf einmal das Bedürfnis zu feiern, dass wir in den letzten beiden Tagen einfach dem gefolgt waren, was uns „richtig“ erschien. Manches habe ich laut und in großer Gesellschaft gefeiert. Anders ganz alleine und ganz still. Heute Morgen habe ich innerlich gefeiert, dass etwas möglich war, was ich schon nicht mehr für möglich gehalten hätte. Als ich mit meinem Pferd alleine durch den Wald ritt und mir bewusst wurde, was hier grade passiert, habe ich gefeiert – es gewürdigt und voller Dankbarkeit angeschaut. Denn nach einem schweren Reitunfall hätte ich nicht für möglich gehalten, dass dies irgendwann wieder so sein kann.

Also, lasst uns das Leben feiern! Unsere Entwicklungen und individuellen „Erfolge“ würdigen und mit Dankbarkeit wahrnehmen.

Wenn wir etwas feiern ist es manchmal ganz hilfreich zu fragen: Und warum ist das jetzt möglich? Bei dem Beispiel mit dem Reiten war ich dankbar und habe gefeiert, dass ich mich traue wieder alleine mit meinem Pferd ausreiten zu gehen. Das hat mich schon berührt und mit Dankbarkeit erfüllt. Als ich mir aber dann die Frage gestellt habe „Warum war dies möglich?“ hat das meine Dankbarkeit noch vergrößert. Denn es war möglich, weil ich viele Menschen an meiner Seite hatte, die mich dabei unterstützt haben. Die fest daran geglaubt und mir immer wieder Mut gemacht haben. Und es war möglich, weil ich nicht aufgegeben und mich meiner Angst gestellt habe. Aber vor allem war es möglich, weil Dinge passiert sind, die erstmal sehr schwierig erschienen (ein einige Monate dauerndes Spezialtraining, weil der Rücken meines Pferdes durch falsche Bemuskelung in Mitleidenschaft gezogen war). Wo ich nicht wusste, was das soll und wovon ich nie gedacht hätte, dass daraus etwas Gutes entstehen wird. Doch genau diese Reitpause und intensive Trainingsphase für mein Pferd hat das Vertrauen zwischen uns wieder neu wachsen lassen und plötzlich war es kein Thema mehr, dass wir alleine ausreiten gehen. Dieses Feiern heute war also auch möglich, weil ich beschenkt wurde. Weil aus vermeidlich Schlechtem etwas Gutes geworden ist.

Wenn ich so „feiere“ ist die Würdigung sozusagen eine Initialzündung. Ich nehme es nicht als selbstverständlich ihn, sondern messe etwas eine Bedeutung bei. Das bewirkt Dankbarkeit. Wenn ich sehe, warum oder wodurch dies möglich war, schließen sich Zuversicht und Hoffnung an.

Ich glaube wir alle haben Gründe zum Feiern. Und wir wollen heute Mut machen, das Feiern bewusst als Teil unseres Lebens zu integrieren. Ich glaube, dass Feiern das Potential hat einiges zu unserem Lebensglück beizutragen.

Celebra la vida!

2 Kommentare zu „Das Leben feiern

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