„Nur“ Mutter sein

Heute ist Muttertag – ein Tag über den ich nie so richtig sagen kann wie ich ihn finde. Grundsätzlich mag ich die kommerzielle Ausschlachtung von Festen und Feiertagen nicht so gerne. Vielleicht, weil ich Sorge habe, dass der eigentliche Grund eines Festes dadurch zweitrangig wird oder immer mehr in Vergessenheit gerät. Wie dem auch sei…

Jedenfalls habe ich ein bisschen nachgelesen, was es mit Muttertag so auf sich hat. Seine Geschichte und Festlegung als Festtag verfolgt.

Ein Tag zu Ehren der Mütter soll es sein – Mutterschaft wertschätzen. Der Gedanke an sich gefällt mir! Meine Dankbarkeit auszudrücken und zu würdigen, dass meine Mutter bereit war sich zur Verfügung zu stellen, um Neues Leben in diese Welt zu bringen. Und irgendwie war es früher noch viel klarer als heute, dass es sich dabei um eine mutige Entscheidung handelt. Nicht nur, dass eine Schwangerschaft und Geburt neben allem Schönen mit Anstrengung, Herausforderung, Schmerzen und einer Grenzerfahrung verbunden ist. Sondern auch, dass es wirklich um Leben und Tod gehen kann. Bei der Geburt unseres dritten Kindes sagte die Ärztin zu mir: „Früher wären Sie und das Kind sicher gestorben.“ Diese Bereitschaft Leben weiterzugeben, ein Kind zu empfangen und zu gebären, ist ein mutiges Wagnis und ich bewundere jede Frau, die sich diesem stellt.

Das ist für mich heute die eine Seite des Muttertages – meine Freude über Würdigung und Wertschätzung all jener mutigen Frauen, die neues Leben in diese Welt bringen.

Die andere Seite an die ich bei Muttertag denken muss, macht mich ein wenig traurig. Ich habe mir 2019 bewusst eine „Auszeit“ genommen und meine Arbeit auf ein Minimum begrenzt. In Gesprächen habe ich stets gesagt, dass ich momentan nicht arbeite. Zu Beginn der Zeit habe ich mich oft sagen hören, dass ich aktuell „nur“ Mama bin. Irgendwann habe ich mich selbst über meine eigene Geringschätzung dessen, was ich täglich tue – denn ich empfinde es als etwas sehr Wertvolles und Kostbares – geärgert. Daher habe ich das „nur“ in meiner Aussage gestrichen. Witzigerweise fiel mir dann auf wie viele Menschen das „nur“ in ihrer Frage formulierten: „Ah ok, das heißt du bist momentan „nur“ Zuhause?“ Meine Freundin bestätigte mir, dass sie als Steuerberaterin noch nie gefragt worden sei: „Ah, und du bist „nur“ Steuerberaterin?“ Leider bin ich in diesem Jahr auch auf keinen Menschen getroffen, der auf meine Antwort so ähnlich reagiert hätte wie: „Oh, krass, da hast du ja sicher alle Hände voll zu tun, oder?“ Stattdessen entstand auf meine Aussage, was ich aktuell so mache, sehr oft Schweigen oder alternativ die Antwort: „Das könnte ich nicht!“ 

Dieser ganze Prozess warf bei mir die Frage auf, wie sehr es tatsächlich wertgeschätzt wird, wenn man „nur“ Mama ist? Das macht mich an diesem Tag ein wenig traurig, weil ich merke, dass ich mir ganz generell in unserer Gesellschaft mehr Wertschätzung und Würdigung wünschen würde für das, was man als Mutter tut. Geschenke an einem speziellen Tag sind schön, generelle Wertschätzung und Würdigung gefallen mir noch besser.

So ist dieses Jahr für mich der Muttertag mit gemischten Gefühlen verbunden…

Denn manchmal ist es „nur“ eine Kleinigkeit und doch ist es „alles“:

Als Lotti drei Jahre alt war stand sie auf dem Wickeltisch und meinte sie wolle nochmal nachgucken, ob ich sie lieb habe. Ich war recht verdutzt und wusste erstmal nicht wirklich, was sie nun von mir wollte. Ich fragte sie wie sie das meine. Lotti sagte, sie müsse in meine Augen gucken, um zu sehen, ob ich sie lieb habe. Immer noch nicht wirklich schlauer, schaute ich sie an. Wir blickten uns in die Augen und plötzlich stellte sie fröhlich fest: „Ja, du hast mich noch lieb!“ Ich musste grinsen und fragte sie, woran sie das erkannt habe. Da lachte sie und meinte: „Na, Mama, das weiß ich, weil ich doch in deinen Augen drin bin!“

Ich war ganz gerührt. Sie hatte sich selbst in meiner Pupille gesehen als ich sie angeschaute. Und als sie sich in meinen Augen wiedererkannt hatte und wusste, dass sie „in mir drin“ war, war sie sich ganz sicher, dass wir tief verbunden sind. Sie fand es so spannend, dass sie es eine Zeit lang immer wieder sehen wollte und jedes Mal freute sie sich von ganzem Herzen sich in meinen Augen zu entdecken.

Und so wünschen wir euch mutigen Frauen, die ihr bereit ward euren Körper und euer Leben zur Verfügung zu stellen, dass eure Kinder darin Platz nehmen dürfen, einen wundervollen Tag. Feiert euren Mut! Dass, was ihr täglich tut, hat unseren größten Respekt und wir wünschen euch und uns selbst, dass wir wieder etwas mehr lernen das auch zu schätzen! Habt einen Tag voller schöner Augenblicke, in denen ihr einander seht – und vielleicht auch euch selbst in den Augen des anderen 😉

Hochachtungsvoll…

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