Vertrauen und präsent leben

Heute schreibe ich einen von diesen Artikeln, wo ich mir sicher bin, dass mein Mann mich wohlmöglich schon heute Abend an meine eigenen Worte erinnern wird. Über etwas, dass so einfach klingt und gleichzeitig wahrscheinlich eine lebenslange Aufgabe bleibt…

Über Vertrauen und das Leben im Hier und jetzt.

Vor kurzem haben wir beim Radfahren eine sehr schöne Stelle entdeckt – einen wirklich idyllischen Ort. Unter anderem gab es dort eine Fischtreppe. Eine geniale Sache wie ich finde. Als ich mir die Beschreibung so durchlas und die Treppe anschaute, drängte sich mir ein Vergleich zu meinem Leben auf. Ich kenne es sehr gut, dass ich gerne wissen würde wie alles in meinem Leben so weitergehen wird. Wenn ich mir dann Gedanken mache, wie alles werden wird, mischen sich in meine Überlegungen durchaus aus Sorgen und Befürchtungen. Grade jetzt leben wir ja in einer Zeit, die es uns sehr deutlich macht, dass wir die Dinge nicht vorhersagen können. Das ist im Grunde keine neue Erkenntnis, denn auch vor Corona konnten wir nicht sagen wie es uns im nächsten Jahr gehen wird. Ja, noch nicht mal die nächste Sekunde unseres Lebens haben wir unter Kontrolle. Doch diese Krise macht uns unsere Begrenztheit nochmal besonders deutlich. Eine Freundin hat an ihrem Kühlschrank den Spruch hängen: „Es gibt einen Gott und ich bin es nicht!“. Sicher können wir unser Leben beeinflussen, doch letztlich haben wir es und auch unsere Zukunft nicht in der Hand.

Bei den Fischen und ihrer Treppe wurde mir klar, dass ich mich immer wieder dabei ertappe alles unter Kontrolle haben zu wollen. Unten vom Wehr – hops – direkt hoch – alles im Griff. Doch das gelingt den Fischen nicht. Sie schaffen es nicht direkt hoch zu springen. Sie brauchen eine Treppe. Dort nehmen sie Schritt für Schritt die nächste Stufe und arbeiten sich so langsam hoch.

Wenn ich an mir beobachte, dass ich mir Gedanken über die nächsten Tage, die nächste Woche oder die nächsten Jahre mache, erinnere ich mich innerlich noch manchmal an dieses Bild. Ich merke wieder wie ich „kleiner Fisch“ mich abkämpfe und versuche das Wehr hochzukommen. Es will nicht klappen, ist mühsam und ermüdend. Irgendwann stelle ich erschöpft meine Bemühungen ein. Aber zum Glück war an diesem Wehr die Alternative direkt nebenan – die Treppe. Schritt für Schritt, Tag für Tag, Minute für Minute leben. Die Treppe können die Fische gut bewältigen. Über diese Kraft verfügen sie. Und so kommen sie oben an. Für mich ist dieses Bild eine Einladung zu neuem Vertrauen. Ich halte die Fäden nicht in der Hand  – um nochmal den Kühlschrankspruch aufzunehmen – und ich muss es auch nicht! Ich darf die Treppe nehmen, muss nicht wissen wie alles wird. Darf im Hier und Jetzt sein und mich im Vertrauen üben…

Sorgen tun uns erwiesenermaßen nicht gut. Doch es hindert uns nicht daran sie in Serie zu produzieren. Alle guten Beschlusse sich keine Sorgen zu machen sind dann oft nicht sonderlich hilfreich. Denn man kann nicht einfach etwas lassen. Das Sorgen und der Wunsch die Kontrolle zu behalten ist ja ein Versuch uns ein Bedürfnis zu erfüllen. Welches Bedürfnis es ist, kann bei jedem etwas variieren, aber vermutlich hat es etwas mit Sicherheit, Annahme und Verbundenheit zu tun. Vielleicht auch mit Situationen, die schmerzhaft oder sogar traumatisierend waren. Wo man beschlossen hat, dass so etwas nie wieder vorkommen darf und man sich nicht noch einmal so fühlen möchte. Aus dieser Erfahrung, oder vielleicht waren es sogar mehrere, macht das Sorgen, Kalkulieren, Planen, Perfektionieren etc. Sinn. Und so ist es nicht möglich einfach einen Schalter umzulegen und dieses Verhalten zu unterlassen.

Um im Bild des Fisches zu bleiben, muss dieser zunächst merken, dass er nicht mehr kann oder will. Dass es unheimlich mühsam ist, was er tut und auch nicht zielführend. Er kann das Wehr nicht hochspringen. Dieser Prozess ist erstmal nicht einfach. Ist der Fisch bereit inne zu halten und zu sehen, was er die ganze Zeit tut, kann er beginnen sein Verhalten in den passenden Kontext zu stellen. Zu würdigen, warum er sich so sehr anstrengt. Wann dieses Verhalten sein einziger Ausweg war, den er gesehen hat. Zu erkennen, dass dies sein Lösungsversuch war und so Mitgefühl für sich entwickeln. Dann wird er frei sich umzusehen und nach Alternativen zu suchen und er wird irgendwann die Treppe finden. Dort wird er vielleicht immer wieder in Versuchung geraten, ob er nicht doch zwei Stufen auf einmal nehmen kann oder ähnliches. Doch nun ist ihm bewusst, dass das lange seine aus der Not geborene Strategie war. Und er kann sie immer wieder neu als Teil von sich annehmen und sich dafür entscheiden, mutig etwas Neues zu wagen – Loslassen, Vertrauen, Schritt für Schritt…

Auf diese Art und Weise kommt er oben an und beim nächsten Mal, müht er sich schon nicht mehr so lange am Wehr ab bis er irgendwann wohlmöglich direkt die Treppe nimmt, weil dieses neue Muster ihm in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Ich lasse mich von ihm inspirieren mich von alten, einst sinnvoll gewesenen Mustern zu lösen. Das Leben in seiner Fülle auszuschöpfen, indem ich es Schritt für Schritt wage. Das gestalte, was in meiner Hand liegt und alles andere vertrauensvoll abgebe.

Und genau so geht es nun in die neue Woche…

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