Endlich mal wieder nur Mama sein

Heute Morgen habe ich mit einer Freundin über die Homeschooling-Situation gesprochen. Sie erzählte mir, dass sie mit der ganzen Familie in der letzten Woche gemeinsam einen Nutzgarten angelegt haben. Ein großes Projekt mit dem sie sich intensiv auseinandergesetzt haben. Alle gemeinsam haben sie unheimlich viel gelernt. Die Lehrerin haben sie dann auch über ihr Projekt und die Lernerfahrungen der Kinder informiert. Leider bestand diese darauf, dass die täglichen Aufgaben in Mathe, Deutsch, Sachkunde und wohlgemerkt Kunst trotzdem von den Kindern zu erledigen seien. Ich konnte den Frust über ihre neue Rolle als Lehrerin ihrer Kinder, den sie glaube ich aktuell mit vielen Eltern teilt, sehr gut nachvollziehen. Sie sagte dann: „Ach, ich will auch einfach mal wieder nur Mama sein!“

Nur Mama sein und nicht die Lehrerin, die ihre Kinder irgendwie dazu „bekommen“ muss sich vorgegebenes Wissen anzueignen. Ich denke für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern kann das durchaus eine große Belastung sein.

Danach habe ich noch etwas über unser Gespräch nachgedacht. Wenn ich lieber reisen oder in Deutschland keine Schulpflicht herrschen würde, wäre freilernen wohl unser Weg geworden. Für mich ist es eine traumhafte Vorstellung, dass Kindern das Vertrauen geschenkt wird, dass sie sich entwickeln werden. Dass sie lernen wollen und das sie es mit spielerischer Leichtigkeit tun dürfen – immer der Spur ihrer Begeisterung folgend. Ich vermute, dass jeder dieses Phänomen kennt, dass man wesentlich leichter Wissen oder Fertigkeiten erlernt, die einen begeistern, sinnvoll oder nötig sind für das, was man tun möchte. Leider ist es aktuell in unserem Schulsystem überwiegend so, dass wir sicherstellen wollen, dass Kinder mal irgendwann bestimmte Dinge gelernt haben. Um das kontrollierbar zu machen, müssen sich alle zeitgleich festgelegtes Wissen aneignen.

In diese Aufgabe sind jetzt seit mehreren Wochen die Eltern eingebunden (wohlgemerkt viele noch neben ihrer täglichen Arbeit). Und ich kann gut verstehen, dass sie von homeschooling die Nase voll haben. Ich habe schon etliche schnaufen gehört, dass sie froh sind, wenn die Schule endlich wieder anfängt. Und auf der anderen Seite werden Stimmen laut, die hoffen, dass sich unser Schulsystem und die Schulpflicht durch diese Zeit vielleicht nachhaltig verändern werden.

Mich macht es irgendwie traurig, welchen Druck man Kindern und Eltern angesichts einer sowieso schon belastenden Situation aussetzt. Wie spannend wäre es gewesen mal zu sagen, dass die Kinder lernen dürfen, was sie möchten. Meinetwegen dürfen sie jeden Tag festhalten, was sie heute gelernt haben. Und am Ende dieser Zeit hätte man sich gegenseitig an seinen Lernerfahrungen teilhaben lassen. Kinder, die begeistert sind, hatten dann die anderen Kinder durch ihre Begeisterung angesteckt. Man hätte nicht vergleichen können, sondern jeder hätte von dem Wissen des anderen profitiert (aber wahrscheinlich wäre grade die nicht gewährleistbare Vergleichbarkeit das Problem). Vielleicht wäre es so aber möglich gewesen etwas Bereicherndes wieder zu entdecken – die eigene Begeisterung.

Meine Freundin hatte mir berichtet, was sie alles bei diesem Projekt gelernt haben. Meiner Meinung nach hätte es Mathe, Deutsch und Sachkunde abgedeckt. Kunst – nun, ja, da bin ich mir unsicher…

Bei mir bleibt heute ein fader Beigeschmack zurück – ich hätte mir eine Inklusion gewünscht. Leben ist lernen! Ich befürchte und kann es gleichzeitig gut verstehen, dass viele erleichtert sein werden, wenn die Schule diese Verantwortung wieder übernimmt, dass die Kinder gebildet werden. Schade… hätte ich doch vielen Menschen die Erfahrung gewünscht, dass wenn man „nicht muss“ und man sich wieder begeistern darf, lernen ganz nebenbei mit Leichtigkeit und Freude geschieht. Ich gebe die Hoffnung nicht auf…

Ein Kommentar zu “Endlich mal wieder nur Mama sein

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