Die Wegmitte

Momentan wacht Lotti eigentlich jeden Morgen auf und fragt ganz erwartungsvoll : „Mama, ist heute Ostern?“ Als wir ihr heute gesagt haben, dass es morgen soweit ist, war die Freude groß.

Mich hat es irgendwie zum Nachdenken gebracht. Gestern hat Ostern ja schon begonnen. Heute ist der Zwischentag und morgen wird gefeiert. Ich musste an ein Beispiel denken, dass in meiner systemischen Ausbildung oft gebraucht wurde. Das Phänomen der Wegmitte und dieser Tag heute erinnert mich daran. An Karfreitag, wo alte Erwartungen und Hoffnungen sterben. Heute der Tag, wo man sich „im Nichts“ befindet und morgen eine neue Hoffnung.

Ich empfinde diese Zwischenzeit als besondere Herausforderung. Man hat Altes verlassen, vertraute Muster oder Überzeugungen losgelassen. Man hat gemerkt, dass sie einen einengen und das Leben schwer machen. Der Startpunkt ist klar. Man geht los auf der einen Seite der Straße und verlässt, dass Alte. Man weiß auch wohin man möchte. Zum Beispiel weg von „ich bin geliebt für das, was ich tue“ zu „ich bin geliebt so wie ich bin“. Oder von „ich bin für andere Menschen verantwortlich“ zu „jeder trägt die Verantwortung für sein Leben“. Oder auch „das Leben ist anstrengend“ zu „das Leben darf auch schön sein“ und ähnliches. So ist Start und Ziel in der Regel klar. Das heikle ist die Mitte der Straße. Das nicht mehr und noch nicht. Man hat Altes aufgegeben und das Neue erahnt man schon.

Lottis Vorfreude steckt mich an und zeigt mir, dass es viel ausmacht, wenn man das, was kommt nicht aus den Augen verliert. Sie malt sich schon aus, dass sie morgen ganz früh aufsteht und dann die Geschenke in ihrem Osternest liegen werden. Sie hofft das Beste. Geht vom Positiven aus. Glaubt, dass sich das Gute ereignet.

Ich glaube so brauchen wir auch immer wieder Hoffnung und Zuversicht auf unseren Entwicklungswegen. Einen guten Kontakt zur anderen Straßenseite. Voller Vertrauen, dass wir drüben ankommen werden. Und den Mut nicht umzukehren, nur weil es uns wohlbekannt ist, sondern einen Fuß vor den anderen zu setzten und irgendwann am anderen Ende der Straße anzukommen.

Der Weg lohnt sich. Die Freude ist groß. Schritt für Schritt kommen wir dem Ziel näher…

So wünschen wir  euch heute einen schönen Zwischentag voller mutiger Schritte!

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