Dankbarkeit – Eine Beobachtung

Gestern Abend haben wir spontan unser Abendessen nach draußen verlegt und sind zu einem Picknick im Feld aufgebrochen. Auf dem Rückweg kamen wir bei Jay und Kai vorbei, die noch im Garten spielten. Penny und ich hielten an und begrüßten sie. Normalerweise sehen sich die sieben jeden Tag und verbringen oft die meiste Zeit des Tages gemeinsam. Nun haben sie sich seit ca. drei Wochen nicht mehr treffen können. Zwar immer mal geskypt, aber eben sonst keinen Kontakt. Als die drei sich dann gestern über die Straße hinweg unterhielten, war ihnen die Freude deutlich anzumerken. Sie wirkten plötzlich ganz wach und präsent, so als wollten sie alles in sich aufsaugen, was möglich war. Den Kontakt auskosten und sich alles mitteilen, was grade relevant war. Es war irgendwie ein besonderer Moment, in dem etwas, was sonst so alltäglich und normal ist – eine Selbstverständlichkeit – nun zu etwas ganz Besonderem wird.

Ich habe schon vieles über Dankbarkeit gelesen und gehört. Wie reich sie das Leben macht und wie viel glücklicher dankbare Menschen doch sein sollen. Für mich hatten diese Berichte und Tipps oft einen falen Nachgeschmack. Natürlich weiß ich, dass es hilfreich ist dankbar zu sein und ich auch allen Grund dazu habe. Dennoch war meine Dankbarkeit nur selten in meinem Herzen gefühlt, sondern oft eher Kopfwissen (was ja grundsätzlich auch nicht schlecht ist).

Die letzten Tage beobachte ich in mir eine Veränderung. Ich merke, dass mir manche Dinge, die vorher ganz selbstverständlich waren, auffallen und ich plötzlich Dankbarkeit empfinde. Eine Wohnung auf dem Land, die Schönheit und Möglichkeiten der Landschaft in der ich lebe, das herrliche Wetter momentan, dass ich die Freiheit habe raus zu gehen, grade gesund bin, aktuell (noch) genügend Geld da ist, um zu leben usw. Wir leben jetzt seit 13 Jahren in diesem Ort und ich fand ihn schon immer wunderschön – ich wusste das. Durch die Situation grade, wo wir zuhause bleiben und keine anderen Aktivitäten möglich sind, freut sich mein Herz über diese Schönheit. Das wir die Möglichkeiten unserer Wohnortes noch immer nutzen können, wie wir das wahrscheinlich noch nie so intensiv und bewusst getan haben.

Es bewegt mich, wie scheinbar grade dadurch, dass man weniger hat oder etwas (für eine Zeit) nicht möglich ist, mir die Augen geöffnet werden für all das, was ich habe (und ja schon immer hatte). Und dabei befinde ich mich ja noch in einem Bereich wo es lediglich um „Komfort“ geht und nicht um eine existenzielle Ebene. Vielleicht ist doch etwas dran an dem Zitat von Francis Barcon: „Nicht die Glücklichen sind dankbar, es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“

Eine spannende Beobachtung. Ich hoffe, dass dieses Erkenntnis die Coronakrise überdauert…

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