Angst

Als ich letztes Wochenende einkaufen war, hatte ich den Eindruck die Angst fast greifen zu können. Angst sich nicht zu infizieren oder auch nicht mehr alle Lebensmittel zu bekommen. Auch wenn ich mich umhöre begegne ich diversen Ängsten. Die Angst, ein Mensch könne erkranken, der einem wichtig ist und zur besagten Risikogruppe gehört, Angst vor einer Ausgangssperre, Angst welche wirtschaftlichen Auswirkungen diese Krise haben wird, existenzielle Ängste usw.

Wir Erwachsenen sind besorgt, geängstigt, erschüttert und auf sehr unangenehme Weise mit der Realität konfrontiert, dass wir das Leben nicht kontrollieren können. Und diese Sorgen und Ängste betreffen nicht nur Einzelpersonen, sondern ein ganzes Volk, eine ganze Welt. Und in dieser Situation befinden sich auch unsere Kinder. Je älter sie sind, desto eher können sie die Lage einschätzen und verstehen. Umso jünger die Kinder sind, je mehr nehmen sie lediglich die Stimmung war, spüren die Aufregung und Verunsicherung und können alles nur schwer bis gar nicht einordnen. Und generell ist alles, was nur so diffus im Raum schwebt und nicht klar an- und besprochen wird, immer noch angsteinflößender.

Im Gespräch mit einer Kinderärztin haben wir mal ein paar Anregungen zusammengestellt, die im Umgang mit Angst vor der momentanen Situation hilfreich sein können:

Sich um die eigene Angst kümmern

Eltern die Angst haben, sollten schauen, was sie für sich tun können. Egal was wir unseren Kindern erzählen, sie spüren wie wir uns fühlen. Es geht auch gar nicht darum als Eltern keine Ängste mehr zu haben. Für die Kinder ist es hilfreich, wenn Eltern hier authentisch sind. Zu ihren Ängsten stehen und die Verantwortung dafür übernehmen, dass sie sich um ihre Ängste kümmern werden. Denn kaum etwas ist für ein Kind furchteinflößender als neben seiner Angst, noch die Verantwortung zu fühlen, sich darum kümmern zu müssen, dass es Mama/Papa wieder besser geht.

Die Angst des Kindes annehmen

Ein Kind, dass Angst empfindet, braucht kaum etwas weniger als jemanden, der ihm erklärt, dass es keine Angst zu haben braucht. „Du brauchst keine Angst“ zu haben, wird von kleinen Ohren nämlich in der Regel so aufgefasst: „Du hast grade ein falsches Gefühl. Du empfindest falsch. Etc.“ Sicherlich dürfen auch die Ängste der Kinder einem Realitätscheck unterzogen werden und man kann sich anschauen, ob eine Angst in der Situation begründet ist oder in etwas anderem. Doch zuerst geht es darum die Angst anzunehmen. Mein Kind hat Angst und das darf so sein. Ich schenke ihm Empathie. Erst wenn es sich gesehen, verstanden und gefühlt fühlt, kann man weiter über die Angst sprechen. Manchmal reicht übrigens dieser Schritt auch schon aus und Kinder entwickeln ganz kreative eigene Ideen mit ihrer Angst umzugehen und sie zu verwandeln.

Die Angst konkretisieren und einen Realitätscheck machen

Wenn mein Kind sich gefühlt fühlt, kann man, falls es nicht schon deutlich geworden ist, gemeinsam anschauen, wovor oder worum es denn genau Angst hat. Das Oma und Opa etwas passieren kann? Selbst zu erkranken? Ins Krankenhaus zu müssen? Vor vermummten Leuten, deren Bild es irgendwo gesehen hat? Davor nicht mehr rausgehen zu dürfen etc.

Hier kann man dann schauen, ob das Kind offen ist, dass man die Situation nochmal altersentsprechend erklärt. Ist das Kind noch nicht offen für eine Erklärung, ist meist noch Empathie nötig.

Das Prinzip der Gleichzeitigkeit

In dem Post von heute Morgen habe ich über diese Herausforderung geschrieben und für die kindliche Wahrnehmung ist es relevant. Der Corona Virus bestimmt momentan unser Leben sehr stark. Es gibt schon einige Einschränkungen und vielleicht kommen noch mehr. Und ich finde, dass es auch normal und berechtigt ist, dass diese Situation auch Thema in einer Familie ist und die Kinder dürfen sicherlich auch davon mitbekommen und im besten Fall lernen wie Mama/Papa/Wir mit solchen herausfordernden und einschneidenden Erfahrungen umgehen. Und eben gleichzeitig können wir entscheiden wieviel Raum wir der Situation geben. Und ich denke grade für die Kinder ist es wichtig, dass es immer mal wieder Zeitfenster im Alltag gibt, die Coronafrei sind. Wo es, wenn das stimmig ist, auch mal wieder leichter zugehen darf. Wo gespielt wird und man alles um sich herum vergisst. Wo man Corona eben mal Corona sein lässt, weil man ganz im hier und jetzt ankommt.

„Ich bin für dich da und werde alle meine Möglichkeiten für dich einsetzen“

Ich ertappe mich immer mal wieder dabei, wie ich doch instinktiv das Bedürfnis habe, meine Kinder vor Schmerz und unangenehmen Erfahrungen zu beschützen. Natürlich weiß ich, dass das wichtige Erfahrungen sind, die sie wachsen lassen. Unsre Möglichkeiten als Eltern sind eben begrenzt. Wir können unseren Kindern nicht sagen wie es weitergehen wird und wir können ihnen auch nicht versprechen, dass sie keine leidvollen Erfahrungen machen. Doch wir können ihnen zusichern, dass wir egal was kommt, alles für sie geben werden. Dass wir da sein wollen, wenn sie uns brauchen und wir gemeinsam die Herausforderungen, die kommen, bewältigen. Diese Haltung hat oft etwas sehr beruhigendes.

Soweit mal ein paar hoffentlich hilfreiche Anregungen….

Ah, und nicht vergessen – auch Babies und Kleinkinder bekommen die Situation schon mit, merken die Stimmung und auch unsere eigene Gefühlslage.

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