Was man annimmt, kann sich auch verändern

Heute Morgen war es mal wieder soweit. Das erste was Penny nach dem Aufstehen murmelte war: „Mama, ich brauche ein Ausmalbild.“ Ausmalbilder gibt es bei uns eher selten, weil sie oft an meiner Bequemlichkeit scheitern – vielleicht ist es auch Widerwillen?! Bei meinem Mann stehen die Chancen da jedenfalls besser. Mir ist es meist zu umständlich den Computer anzumachen, mich auf den ganz speziellen Suchprozess einzulassen, welches Bild es nun genau sein soll und es dann irgendwie hinzukriegen, dass genau dieses Bild auch gedruckt werden kann. Naja, heute habe ich mich mal überwunden und die gewünschten Bilder ausgedruckt.

Penny war lange Zeit mit ihrem Bild beschäftigt. Kai kam auch noch vorbei und stieg in das Projekt mit ein. Als ich nachher gesehen habe, was die beiden da gestaltet hatten, war ich beeindruckt und auch ein wenig beschämt.

Denn mir wurde klar, dass meine leichte Aversion gegen Ausmalbilder auch eine Haltung deutlich macht, mit der ich manchmal auf das Leben blicke. Ich stoße mich an Umständen, Schicksal, dem Leben wie es sich ereignet. Ich will lieber alle Möglichkeiten haben. Mein Leben frei gestalten können. Keine vorgegeben Linien, keine vorgegebene Form.

Doch leider ist das Leben nicht immer so. Grade jetzt haben wir aufgrund der Situation vorgegebene Linien, in denen wir Malen müssen – zu unser aller Schutz. Und auch wenn wir morgens in den Spiegel schauen, sehen wir das, was uns vorgeben ist. Unseren Körper, unseren Persönlichkeit , uns selbst.

Meine ursprüngliche „Ausmalbildhaltung“ lautet in etwa: Ich will das so nicht. Die Umstände gefallen mir nicht… Ich reibe mich auf an dem was ist. Kämpfe gegen die Linien und Formen an. Und das kostet dann meist viel Energie und ist recht zermürbend.

Von unseren Kindern habe ich heute etwas anderes gelernt. Sie haben die Formen und Linien angenommen, wie sie sind. Sie haben nicht gegen eine Situation oder die Bedingungen gekämpft, sondern geschaut, was sie daraus machen können. Sie haben die Möglichkeiten gesehen und nicht die Grenzen. Und dann ist etwas Wunderschönes entstanden.

Ich bin dankbar für diese Inspiration. Was man annimmt kann sich auch verändern. Mich annehmen -meine Leben, meine Geschichte, meinen Körper, meine Persönlichkeit, meine Stärken und Schwächen. Wenn das gelingt, kann ich irgendwann die Möglichkeiten sehen. Und ich glaube so entsteht dann ein Leben, das einzigartig ist und seine ganz individuelle Schönheit besitzt.

Und jetzt drucke ich mir ein Ausmalbild 😉

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